Umfrage unter den Deutschen: Die "Sehnsucht" nach jungen Ministern

Umfrage unter den Deutschen : Die "Sehnsucht" nach jungen Ministern

Düsseldorf (RP). Das Trio der unter 40-Jährigen im Kabinett Merkel fasziniert die Bürger ­ und genießt ihr Vertrauen. "Die Deutschen haben eine Sehnsucht nach unverbrauchten Gesichtern", sagt Meinungsforscher Güllner.

Für den Altmeister der deutschen TV-Satire, Harald Schmidt, war die Ernennung der 32 Jahre jungen Kristina Köhler zur Familienministerin ein gefundenes Fressen. Er sendete ein fingiertes Interview unter der Überschrift "Jugend contra Kompetenz", in dem er ein etwa zehnjähriges Mädchen die Ministerin spielen ließ. Köhler reagierte mit Humor. "Sehe gerade, was Harald Schmidt gestern mit mir angestellt hat. Muss zugeben: witzig", verbreitete sie anderntags über den Internet-Dienst Twitter.

In Merkels Kabinett ist die Generation "Facebook" angekommen —­ jene Jahrgänge, die schon mit dem Internet aufgewachsen sind und dort auch ihre Kontakte pflegen. Die U40 in Merkels Kabinett, zu der auch der CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (37) und FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler (36) gehören, faszinieren die Öffentlichkeit.

Kristina Köhler, gerade mal eine gute Woche im Amt, genießt einen überraschend hohen Vertrauensvorschuss. Nach einer Umfrage des Magazins "Stern" halten es vier von fünf Befragten (78 Prozent) für richtig, wenn auch junge Politiker wie Köhler in hohe Ämter kommen. Bei den 18- bis 29-Jährigen stieß die Familienministerin sogar auf fast 90 Prozent Zustimmung. Aber auch die Rentner sind zu 72 Prozent der Meinung, dass Ministerämter mit jungen Leuten gut besetzt sind.

Auch Rentner für junge Minister

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, hat eine einfache Erklärung für die Beliebtheit junger Politiker. Bei den Deutschen gebe es "eine große Sehnsucht nach frischen, unverbrauchten Gesichtern, die nicht so gestanzt und etabliert daherreden wie die etablierten Politiker". Dabei spiele das Privatleben, ob jemand Familie habe, ledig oder homosexuell sei, für die Menschen keine Rolle mehr.

Zu Guttenberg, der gerade mit der Aufklärung des Luftschlags in Kundus schweres Fahrwasser durchquert, rangiert in der Beliebtheitsliste des ZDF-Politbarometers bislang auf dem ersten Platz. In der Skala von minus fünf bis plus fünf erreichte er zuletzt einen Wert von 2,5 Punkten. Zu Guttenberg zehrt keineswegs nur von seiner Jugend. Ihm war es schon als Wirtschaftsminister binnen kürzester Zeit gelungen, dem unter seinem Vorgänger Michael Glos angestaubten Ressort neuen Glanz zu verleihen.

Die Öffentlichkeit überraschte er damit, dass er bei den Staatshilfen für Opel der Kanzlerin widersprach und als Verteidigungsminister im Fall Kundus Aufklärung statt Vertuschung versprach. Nun steht er vor einer harten Bewährungsprobe, bei der ihm sein für ein Minister junges Alter nicht helfen wird.

Rösler überrascht mit unvorhersehbaren Antworten

Der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ist zwar bislang noch nicht in den Listen der wichtigsten Politiker aufgetaucht, aber er punktet bei Kollegen und in der Gesundheitsszene als Kontrastprogramm zu seiner Vorgängerin Ulla Schmidt (SPD). Während sich die meisten Journalisten in Berlin die Fragen an Ulla Schmidt oft auch selbst hätten beantworten können, weil die Antworten vorhersehbar waren, überrascht Rösler.

So lehnt er Klientelpolitik für Ärzte und Apotheker ab und besteht bei der geplanten Kopfpauschale auf einen Sozialausgleich, ohne die Versicherten zu Bittstellern zu machen. Während es zu Guttenberg und Rösler eher leicht haben, in ihren Ministerämtern besser auszusehen als die Ehemaligen, muss sich Kristina Köhler an ihrer populären Vorgängerin messen lassen. Ursula von der Leyen (CDU) war bei ihrem Amtsantritt im Familienressort zwar schon 47 Jahre alt, aber auch sie arbeitete mit den Methoden der jungen Politiker: überraschen, offen kommunizieren, Unabhängigkeit demonstrieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kristina Schröder - die frühere Familienministerin

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