Guttenberg und seine Doktorarbeit: Die Plagiatsaffäre hinterlässt ihre Spuren

Guttenberg und seine Doktorarbeit : Die Plagiatsaffäre hinterlässt ihre Spuren

Berlin (RPO). Die Kanzlerin stellt sich hinter Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch in der Bevölkerung scheint er weiterhin Vertrauen zu genießen. Doch die Plagiatsvorwürfe um seine Doktorarbeit haben auch bei dem Verteidigungsminister ihre Spuren hinterlassen. Und die Affäre hat er noch längst nicht ausgestanden.

Berlin (RPO). Die Kanzlerin stellt sich hinter Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch in der Bevölkerung scheint er weiterhin Vertrauen zu genießen. Doch die Plagiatsvorwürfe um seine Doktorarbeit haben auch bei dem Verteidigungsminister ihre Spuren hinterlassen. Und die Affäre hat er noch längst nicht ausgestanden.

Mit ernstem Blick betritt Guttenberg am Donnerstag den Bundestag. Er verteidigt die Bundeswehrreform und muss sich dann abermals die Kritik der Opposition um seine Doktorarbeit gefallen lassen. Und die geht alles andere als zimperlich mit ihm um. SPD-Chef Sigmar Gabriel etwa nennt ihn einen "politischen Hochstapler".

Guttenberg selbst sitzt auf der Regierungsbank, wirkt teils abwesend und auch ein wenig müde. Immer wieder hat er in den vergangenen Tagen Rede und Antwort stehen müssen in Bezug auf seine Doktorarbeit. Er entschuldigt sich, verteidigt sein Handeln, verzichtet später auf seinen Doktortitel, den er schließlich auch aberkannt bekommt.

Zu verlockend für die Opposition

Auf manch einen wirkt Guttenbergs Verhalten arrogant, manch anderer dagegen kann nicht nachvollziehen, warum der Minister, der doch von so vielen als aufstrebender Star am Politikhimmel gesehen wurde, nun derart heftige Kritik erfährt. Doch die Vorwürfe sind zu schwerwiegend, als dass sie einfach abgetan werden können und für die Opposition auch zu verlockend, um sie nicht politisch zu nutzen.

Und sie setzen auch Guttenberg zu. Sein Lächeln wirkt zurzeit gekünstelt, wenn es überhaupt noch zu sehen ist. Nachdenklich sitzt er auf der Regierungsbank im Parlament. Teils wirkt er, als fühle er sich in die Enge getrieben. Seine Glaubwürdigkeit, das, wofür er in der Bevölkerung geschätzt wurde, ist stark angekratzt. Die Affäre um die Doktorarbeit ist nur ein weiterer Tropfen auf den Stein nach all den Bundeswehrskandalen der vergangenen Wochen.

Doch politisch scheint Guttenberg — zumindest im Moment — die Affäre überstanden zu haben. Die Kanzlerin steht fest zu ihrem Minister, egal wie stark die Opposition auch gegen Guttenberg schießt. Und auch die CSU verteidigt ihr prominentes Parteimitglied. Die politische Arbeit also kann weitergehen.

75 Prozent gegen Rücktritt

Und auch bei den Wählern hat Guttenberg scheinbar noch immer einen hohen Stand, was für Psychologen auch durchaus erklärbar ist. Denn der Minister zeigt, dass er ein Mensch ist, ein Mensch mit Fehlern - und genau auf dieser Linie baut er auch seine Verteidigungsstrategie auf, spricht etwa von Überforderung. Ein cleverer Schachzug, der bei manchem einen positiven Eindruck hinterlassen haben dürfte.

Nach dem aktuellen ZDF-Politbarometer jedenfalls glauben 55 Prozent der Befragten nicht, dass die Glaubwürdigkeit des Ministers dauerhaft beschädigt ist, und 75 Prozent sind der Ansicht, dass er wegen der Vorwürfe nicht zurücktreten sollte. Der Verteidigungsminister hat also alles in allem eine gute Ausgangsposition, auch diesmal die negativen Schlagzeilen zu überstehen, wenn auch nicht ganz unbeschadet.

Welchen Schaden die Affäre in der Wissenschaft hinterlassen hat, danach wird wohl bald keiner mehr fragen. Und der Minister wird seiner Arbeit wie gewohnt nachgehen. Es sei denn, die Affäre entwickelt sich durch weitere Details, die an die Öffentlichkeit kommen könnten, zu einem handfesten Skandal. Dann kann es für den angeschlagenen Minister noch einmal richtig eng werden. Schließlich geht die Uni Bayreuth etwa auch dem Vorwurf eines Täuschungsversuchs nach.

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