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Interview mit Daniel Bahr: "Die Personaldebatte wird Sonntag enden"

Interview mit Daniel Bahr : "Die Personaldebatte wird Sonntag enden"

Im Interview mit unserer Redaktion spricht Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) über seine Ambitionen innerhalb der Partei, über die Personalquerelen der FDP und die Zukunft des Mindestlohns.

Sie treten für das Präsidium an. Warum?

Bahr Ich will meine Erfahrungen in die Führung und den Bundestagswahlkampf einbringen. Mit der Pflegereform oder der Abschaffung der Praxisgebühr habe ich spürbare Verbesserungen für die Menschen erreicht. Die Erfolge sollten wir zeigen. Es muss aufhören, dass in der Öffentlichkeit schlecht über andere Führungsmitglieder gesprochen wird.

Richtet sich Ihre Kandidatur gegen Dirk Niebel?

Bahr Ich kandidiere nicht gegen jemanden, sondern für etwas. Es geht mir um einen besseren Umgang in der Parteiführung miteinander. Die Parteiführung muss nicht aus den besten Freunden bestehen, aber wir sollten gut miteinander zusammenarbeiten.

Rösler ist der Kapitän, Brüderle der Torschütze und Christian Lindner will im offensiven Mittelfeld agieren. Wo sind Sie?

Bahr Im Gegensatz zu meinen drei Kollegen habe ich früher Fußball gespielt, auch bei Preußen Münster. Damals hatte ich die 8.

Also der Abräumer vor der Abwehr?

Bahr Nicht nur. Ein Mittelfeldspieler, der nach vorne spielt, Tore vorbereitet und auch welche erzielt. Ich grätsche lieber gegen den Gegner als gegen eigene Kollegen.

Trauen Sie dem Burgfrieden zwischen Rösler und Brüderle?

Bahr Die ersten Wochen der Neuaufstellung sind doch gelungen. Rainer Brüderle ist ein ausgezeichneter Fraktionschef und Redner im Bundestag, Philipp Rösler hat als Vorsitzender Erfolge in der Koalition errungen und er zeigt den Generationenmix. Wir werden jetzt als Mannschaft in die Bundestagswahl gehen, in der jeder seine Stärken nutzt. Die Personaldebatte wird nach dem Parteitag an diesem Sonntag beendet sein.

Was trauen Sie der FDP zu?

Bahr Bei den letzten Wahlen hatten wir Ergebnisse um neun Prozent. Ein Ergebnis von 8 Prozent plus x ist bei der Bundestagswahl realistisch. Wir sind die einzige Partei, die neue oder höhere Steuern verhindert. Die Einzigen, die sich für Leistungsgerechtigkeit, Haushaltskonsolidierung, Geldwertstabilität und Bürgerrechte einsetzen. Die FDP ist die echte Alternative für die Menschen.

Wird die FDP den Mindestlohn beschließen?

Bahr Ich bin gegen einen gesetzlich festgelegten, einheitlichen Mindestlohn zwischen München und Cottbus. Es geht um differenzierte Lohnuntergrenzen, die regional und in bestimmten Branchen, wo die Löhne besonders niedrig sind, gesetzt werden. Das ist die ökonomisch sinnvolle Lösung. Wir müssen auf Probleme im Niedriglohnbereich unideologisch und sachlich reagieren. Das FDP-geführte Gesundheitsministerium hat einen Mindestlohn in der Pflege eingeführt. Unter dieser Regierung sind Millionen zusätzliche Jobs geschaffen worden und haben Millionen Beschäftigte erstmals einen Mindestlohn in ihrer Branche erhalten. Die FDP greift ein, wenn es nötig ist.

Michael Bröcker führte das Gespräch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Daniel Bahr: Ein Bergsteiger will hoch hinaus

(brö)