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Pfingstsonntag: Die Nordkirche gründet sich

Pfingstsonntag : Die Nordkirche gründet sich

Sonntag wird im holsteinischen Städtchen Ratzeburg aus den drei alten Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern eine neue gegründet – die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, kurz: Nordkirche. Vorausgegangen sind 13 Jahre Planung, und erbaut ist die neue Kirche aus und auf Kompromissen.

Sonntag wird im holsteinischen Städtchen Ratzeburg aus den drei alten Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern eine neue gegründet — die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, kurz: Nordkirche. Vorausgegangen sind 13 Jahre Planung, und erbaut ist die neue Kirche aus und auf Kompromissen.

Das Kirchenamt sitzt in Kiel, der (noch zu wählende) Landesbischof in Schwerin. Im Norden amtieren, das ist deutscher Rekord, zunächst aus Proporzgründen vier Regionalbischöfe. Mecklenburg und Pommern halten am "Dritten Weg" fest, wonach Löhne in arbeitsrechtlichen Kommissionen festgelegt werden. In Nordelbien gilt der weltliche "Zweite Weg" mit Tarifverhandlungen.

Das alles so kompliziert war, ist kein Wunder — die Nordkirche ist nicht nur die erste Ost-West-Kirchenfusion, sondern auch Vernunftbündnis höchst ungleicher Partner. Nordelbien bringt zwei Millionen Mitglieder mit, Mecklenburg 190 000, Pommern nur 93 000. Der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit formuliert sehr deutlich den Zwiespalt: "Mit dem Kopf bejaht die große Mehrheit die Nordkirchengründung, im Herzen ist aber bei vielen auch Trauer." Dennoch sei die "bestmögliche Kirchengestalt" erreicht worden. Man habe "im guten Konsens eine Lösung gefunden", sagt auch Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Mit der Fusion sinkt die Zahl der Landeskirchen von 22 auf 20. Geht es nach den EKD-Reformern, dann ist das nur ein Zwischenschritt: "Im Jahre 2030 sollte es zwischen acht und zwölf Landeskirchen geben", hieß es bereits 2006 im Impulspapier "Kirche der Freiheit", das der damalige Ratschef Wolfgang Huber angestoßen hatte. Dahinter steckt blanke Notwendigkeit — sinkende Mitgliederzahlen und nachlassende Steuerkraft schränken überall den Handlungsspielraum ein. Dennoch fühlte sich manch kleine Kirche durch so viel Neuerungsschwung überfahren.

Hubers Nachnachfolger Schneider, selbst Präses im Rheinland, einer großen, daher kaum fusionsgefährdeten Kirche, hält sich jedenfalls zurück. "Eins ist klar: Das müssen die Gliedkirchen selbst entscheiden, das ist keine Sache der EKD", sagt Schneider unserer Zeitung: ",Kirche der Freiheit' war bewusst als Impulspapier konzipiert. Aber Impulse sind keine Fünfjahrespläne."

Es scheint, als habe die mühsame Nordkirchen-Gründung den institutionellen Reformeifer einstweilen erschöpft. Ein Fusionsanlauf in Niedersachsen versandete 2009; für weitere Verschmelzungen gebe es "keinen Bedarf", stellte unlängst der leitende Bischof der lutherischen Kirchengemeinschaft, Gerhard Ulrich, fest. Dass Ulrich Nordelbier ist — das ist eine kleine kirchenpolitische Ironie am Rande.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Nikolaus Schneider

(RP/csi)