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Die Mütterrente wird frühestens ab August gezahlt

Reformpaket der Bundesregierung : Mütterrente frühestens ab August

Das 160 Milliarden Euro teure Rentenpaket tritt am Dienstag in Kraft. Für 9,5 Millionen Mütter gibt es aber erst ab August mehr Geld. Zahlen muss die Wahlversprechen von Union und SPD die jüngere Generation.

Mit Wirkung zum heutigen 1. Juli haben rund 9,5 Millionen Frauen und etwa 150.000 Männer Anspruch auf eine höhere Mütterrente. Für Frauen, die ihre Kinder vor 1992 geboren und erzogen haben, erhöht sich die Rente im Westen pro Kind um 28,61 Euro im Monat. In den neuen Bundesländern sind es wegen des unterschiedlichen Rentenrechts nur 26,39 Euro. Dies entspricht jeweils dem Wert von einem Rentenpunkt.

Die Bescheide mit den höheren Rentenzahlungen werden nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung ab August verschickt. Spätestens Ende des Jahres sollen alle Berechtigten die höhere Rente erstmals auf dem Konto haben. Die ausstehenden Beträge ab 1. Juli werden nachgezahlt.

"Bei den 9,5 Millionen Müttern, die bereits eine Rente erhalten, brauchen wir wegen der hohen Zahl der Betroffenen Zeit, um die Reform umzusetzen", sagte der Präsident der Rentenversicherung, Axel Reimann, unserer Redaktion. Insgesamt erfordere die Umsetzung der neuen gesetzlichen Regelungen "erhebliche Programmierarbeiten" und führe vorübergehend auch zu "einem deutlichen Mehraufwand".

Die höhere Mütterrente ist Teil des von der großen Koalition gleich zu Beginn der Legislaturperiode geschnürten grundlegenden Rentenpakets. Weitere Teile sind die abschlagsfreie Rente ab 63 für Arbeitnehmer mit 45 Versicherungsjahren, eine höhere Erwerbsminderungsrente und ausgeweitete Ansprüche auf Reha-Maßnahmen.

Das Rentenpaket kostet 160 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Es soll zunächst aus den Rücklagen der Rentenversicherung und später durch steigende Beiträge finanziert werden. Damit liegen die Lasten für die Rentenreformen bei der jüngeren Generation. Das Paket ist so umfangreich geworden, weil Union und SPD ihre Wahlkampfversprechen beide weitgehend umgesetzt haben.

Die erhöhte Mütterrente muss bei der großen Mehrheit der Fälle nicht gesondert beantragt werden. Wer bisher schon eine Rente erhält, in die Kindererziehungszeiten eingerechnet sind, erhält die erhöhte Mütterrente automatisch. Nur wer mehrere Kinder hat und wegen bislang zu niedrigen Beitragszeiten keine Rente bekommen hat, sollte einen Antrag auf Mütterrente stellen. Wer Rente überhaupt beziehen will, muss mindestens fünf Beitragspunkte aufweisen.

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Für die Erhöhung der Mütterrente hat die Frauenunion viele Jahre gekämpft. Die Unionsfrauen haben es stets als ungerecht empfunden, dass Müttern, die ihre Kinder vor 1992 geboren haben, bislang nur ein Rentenpunkt gutgeschrieben wurde. Jüngere Frauen, die ab 1992 Mutter geworden sind, erhalten hingegen bis zu drei Rentenpunkte gutgeschrieben. Einen Rentenpunkt erhalten Arbeitnehmer, wenn sie ein Jahr lang vom Durchschnittseinkommen Beiträge an die Rentenversicherung gezahlt haben.

Die Ungleichverteilung der Rentenpunkte zwischen jüngeren und älteren Frauen ist aus Sicht der Frauenunion auch deshalb ungerecht, weil die jüngere Generation heute durch Elterngeld und Kinderbetreuungsangebote mehr Möglichkeiten hat, Beruf und Familie zu vereinbaren.

(qua)