KSK in Tanklaster-Bombardierung verwickelt: Die Männer für die brenzligen Aufgaben

KSK in Tanklaster-Bombardierung verwickelt : Die Männer für die brenzligen Aufgaben

Düsseldorf (RPO). Elitesoldaten der Bundeswehr haben offenbar eine Rolle bei dem Luftangriff auf zwei Tanklastzüge in Afghanistan gespielt. Der Einsatz sei von einer geheimen Einheit namens Task Force 47 geführt worden. Und diese besteht nach Medienberichten zur Hälfte aus KSK-Soldaten, die auf brenzlige Einsätze im Ausland spezialisiert sind. Das Kommando Spezialkräfte, kurz KSK, meidet die Öffentlichkeit.

Deutschlands Elitesoldaten sind Spezialisten für brenzlige Einsätze, von denen der Durchschnittsbürger in der Regel nie etwas erfährt. Anders am Donnerstag: Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf Bundeswehr-Kreise, dass Soldaten der medienscheuen Spezialkräfte in die umstrittene Bombardierung zweier Tanklaster Anfang September involviert sein sollen.

Eigentlich werden Operationen wie diese fast immer geheim gehalten. Offiziell bestätigt wurden Einsätze in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo — allerdings erst im Jahr 2000. So wird es eigentlich auch in Afghanistan gehandhabt. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums berichtet laut "Bild", dass die Task Force 47 Thema bei der Unterrichtung des Verteidigungsausschusses am 6. November war. Allerdings sei nicht erwähnt worden, dass es sich dabei auch um KSK-Soldaten gehandelt habe - die Geheimhaltung geht im Zweifel offenbar vor.

Dabei ist der Einsatz der KSK in Afghanistan mehr die Regel denn die Ausnahme. Im Rahmen der von den USA geführten Operation Enduring Freedom konnte die Bundeswehr bis zu 100 Spezialkräfte einsetzen. 2001 hatte der Bundestag die Beteiligung an der Anti-Terror-Mission beschlossen. Im Oktober 2008 wurde das Mandat allerdings nicht mehr verlängert. Warum dennoch KSK-Elite-Soldaten an dem Luftangriff auf die Tanklastzüge beteiligt gewesen sein könnten, ist unklar.

Pleite in Ruanda

Die KSK selbst kann auf eine vergleichsweise junge Geschichte zurückblicken. Auslöser für die Gründung der Spezialeinheit war der Bürgerkrieg in Ruanda 1994. Damals saßen auch Deutsche in dem umkämpften Gebiet fest. Die Bundeswehr konnte sie nicht evakuieren, da sie über keine entsprechend ausgebildete Einheit verfügte. Stattdessen mussten belgische Soldaten einspringen. Die Forderung nach Spezialkräften für Evakuierungen und Einsätze in Krisengebieten aber blieb — die Geburtsstunde für das KSK, das schließlich 1996 gegründet wurde.

Heute stehen nach Angaben der Bundeswehr rund 1100 Soldaten im Dienst der Elite-Einheit, die ihren Sitz in Calw in Baden-Württemberg hat. Geführt wird der Verband derzeit vom Brigadegeneral Hans-Christoph Ammon. Das KSK ist in die Division "Spezielle Operationen" eingegliedert.

Neben dem Schutz von Personen wird der Verband bei der Befreiung von deutschen Staatsbürgern oder Soldaten bei Geisel- oder Gefangennahmen eingesetzt. Ein weiterer Punkt ist die Spezialaufklärung etwa hinsichtlich der Waffensysteme feindlicher Kräfte. Aber auch Kampfeinsätze gegen militärische Ziele gehören zu seinen Aufgaben. "Kampf in der Tiefe", nennt das die Bundeswehr.

Hohe Anforderungen für Bewerber

Wer zur Elite-Einheit gehören möchte, muss einen langen Weg zurücklegen. Nach einem Auswahlverfahren werden die Kandidaten laut Bundeswehr zwei Jahre im Kommando ausgebildet. Danach folgen weitere vier Jahre Ausbildung in den Kompanien. Dort werden die Soldaten spezialisiert.

Jedes Mitglied eines Kommandotrupps, bestehend aus vier Personen, hat eine besondere Funktion — als Waffen-, Spreng-, Fernmelde- oder Sanitätsspezialist. Möglich ist die Ausbildung seit dem Jahr 2002 auch für Bewerber, die nicht gedient haben. Die brauchen allerdings noch mehr Geduld.

Denn bevor sie den üblichen Weg zum KSK-Soldaten gehen können, erhalten sie zunächst eine 24-monatige militärische Ausbildung. Diese scheint sich zu lohnen: Bei befreundeten Streitkräften sind die KSK hoch angesehen - jetzt könnte dieser Ruf erste Kratzer bekommen.

Hier geht es zur Infostrecke: Afghanistan: Das Protokoll des Luftangriffs

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