1. Politik
  2. Deutschland

Regierungssprecher: Die Männer an Merkels Seite

Regierungssprecher : Die Männer an Merkels Seite

Berlin (RP). Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nimmt heute seinen Hut – und hinterlässt große Fußstapfen. Die Bundeskanzlerin verliert einen ihrer besten Mitarbeiter und engsten Berater. Nun soll Nachfolger Steffen Seibert vom ZDF das ramponierte Image der schwarz-gelben Regierung aufpolieren.

Berlin (RP). Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nimmt heute seinen Hut — und hinterlässt große Fußstapfen. Die Bundeskanzlerin verliert einen ihrer besten Mitarbeiter und engsten Berater. Nun soll Nachfolger Steffen Seibert vom ZDF das ramponierte Image der schwarz-gelben Regierung aufpolieren.

Ulrich Wilhelm lächelt zwar gern, aber er hat auch ein ernstes Gesicht. Das ernste Gesicht zeigt er jetzt. Es gilt, die von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) angestoßene, gerade erst aufkeimende Debatte um die Abschaffung der Rentengarantie so schnell wie möglich zu ersticken. Also ruft Wilhelm noch einmal seine ganze Medien-Autorität ab, die er in fünf Jahren als Regierungssprecher erworben hat. Sein Oberkörper neigt sich leicht gespannt nach vorn. Dann spricht er diese unmissverständlichen Sätze: "Die Abschaffung der Rentengarantie steht nicht im Koalitionsvertrag und damit auch nicht auf der Agenda der Bundesregierung." Brüderle habe nur eine "persönliche Überzeugung" kundgetan.

Es ist sein vorletzter Auftritt als Regierungssprecher und eine seiner letzten Dienstleistungen für die Bundeskanzlerin. Heute nimmt Ulrich Wilhelm, den viele als Angela Merkels besten Mann bezeichnet haben, in Berlin seinen Hut. Der 49-Jährige geht zurück nach München, weil er es seiner Familie so versprochen hatte — und weil er seiner Karriere die Krone aufsetzen kann. Wilhelm steigt im Februar 2011 zum Intendanten des Bayerischen Rundfunks (BR) auf, wo er 4500 Mitarbeiter und ein Milliarden-Budget dirigieren wird.

Wilhelm hat das Kunststück vollbracht, im politischen Berlin von so gut wie allen geschätzt zu werden. Einhellig war das Bedauern selbst in den Medien über seine Entscheidung im Frühjahr, Angela Merkel mit ihrer schwarz-gelben Regierung schon ein knappes Jahr nach deren Antritt alleinzulassen. Der Mann, dem immer wieder Ähnlichkeit mit dem Film-Beau Robert Redford angedichtet wird, hielt sich stets im Hintergrund, machte die Medienbühne nicht zu seiner eigenen. Er spielte die Medien auch nicht gegeneinander aus, zumindest nicht erkennbar, was diese ihm dankten, und er hielt auch in lockeren Runden loyal zur Kanzlerin.

Merkel war Wilhelm das erste Mal 1990 begegnet, als der Absolvent der Münchner Journalistenschule ein BR-Porträt über ihr Vorbild Helmut Kohl produzierte. Sie selbst war damals noch Vize-Sprecherin der letzten DDR-Regierung. Der eloquente Bayer war ihr auch danach immer wieder über den Weg gelaufen, am häufigsten als Sprecher Edmund Stoibers.

Als sie ihn 2005 nach Berlin rief, handelte sich Wilhelm aus, bei jedem wichtigen Treffen der Kanzlerin und in jeder wichtigen Entscheidungsrunde der Koalition dabei zu sein. Der enge Draht war sein Erfolgsrezept: Wilhelm verstand rasch, wie Merkel dachte, er kleidete ihre Politik in passendere Worte als sie selbst. Oft erfuhr die Kanzlerin erst aus seinem Munde, wohin sie selbst wollte. Der Jurist wurde zu einem ihrer engsten Berater.

Sie dankte es ihm zum Abschied mit überschwänglichem Lob, das ihn sichtlich verlegen stimmte. "Es war eine wunderbare Zusammenarbeit, anders kann ich das nicht sagen. Deshalb sage ich einfach auch: Danke", sagte Merkel vergangene Woche mit ungewohntem Pathos.

Nach der Sommerpause wird ein anderer neben ihr sitzen, einer, den Millionen Menschen schon aus dem Fernsehen kennen. Merkel holt den ZDF-Moderator Steffen Seibert aus dem Mainzer Studio der Heute-Sendungen nach Berlin.

Auf den ersten Blick eine Idealbesetzung: Seibert ist ähnlich gut aussehend und tritt ähnlich souverän auf wie Wilhelm. Wie dieser ist Seibert keiner, der polarisiert, sondern einer, der das Gute mit dem Vernünftigen verbinden will. Er selbst sagt von sich, er habe außer den Linken schon alle Parteien gewählt, er sei auf keine festgelegt. Trotzdem gilt der 50-Jährige, der zum katholischen Glauben konvertiert ist, als ausreichend konservativ.

Doch ob die Kanzlerin ihn genauso nah herankommen lässt wie Wilhelm, ist längst nicht ausgemacht. Tut sie es nicht oder zu spät, werden unliebsame Debatten wie die über die Rentengarantie künftig womöglich nicht so schnell abgeräumt.

(RP)