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So läuft "Profiling" in Israel: Die Israelis sind nicht zimperlich

So läuft "Profiling" in Israel : Die Israelis sind nicht zimperlich

Tel Aviv (RPO). Mit seinem Vorstoß, Fluggäste bei den Sicherheitskontrollen etwa nach ihrer Herkunft in Risikogruppen einzuteilen, ist der designierte Präsident des deutschen Flughafenverbandes ADV, Christoph Blume, auf breite Ablehnung gestoßen. Politiker warnen vor einer Stigmatisierung von Passagieren und sprechen von Diskriminierung. Blumes Vorbild ist Israel, wo das "Profiling" von Passagieren längst üblich ist.

Nationalität, Herkunft, Vergangenheit und Verhalten - das sind die Kriterien bei den gezielten Befragungen an allen Landesgrenzen Israels, insbesondere am Flughafen Ben Gurion und an Flughäfen im Ausland vor Israel-Flügen. Die Befragungen in der Warteschlange können kurz, aber auch sehr intensiv ausfallen; in manchen Fällen dauern sie mehrere Stunden.

"Muslime sind die Hauptbedrohung"

Hinzu kommen Leibesvisitationen und teils penible Kontrollen des ausnahmslos von Hochleistungs-Apparaten gescannten Gepäcks. Die israelischen Sicherheitsleute sind dabei nicht zimperlich und nehmen auch keine Rücksicht auf Rassismusvorwürfe: Grundsätzlich gilt, dass Passagiere aus arabischen und muslimischen Ländern Risikofaktoren sind.

"Der Gedanke ist, dass die Hauptbedrohung von Muslimen ausgeht", sagt Schlomo Harnoy, Ex-Geheimdienstmitarbeiter und Chef der israelischen Sicherheitsfirma Sdema Group. Die Sicherheitsvorkehrungen seines Landes seien daher umstritten, aber die einzig richtigen. "Weltweit zielen die Sicherheits-Checks an Flughäfen darauf ab, Sprengstoffe oder Waffen zu finden, nicht Terroristen zu identifizieren".

Dabei sei die Technik dem Erfindungsreichtum von Extremisten unterlegen. "Das Terrornetzwerk El Kaida ist in Sachen Technologie immer eine Länge voraus", sagt der frühere Sicherheitschef des Inlandsgeheimdienstes Schin Beth. Die Vergangenheit jedenfalls scheint Israel recht zu geben: Noch nie wurde ein vom Ben-Gurion-Flughafen aus gestartetes Flugzeug entführt oder gesprengt.

Israel als internationales Vorbild

Auch international findet das israelische Vorgehen immer mehr Anhänger. Der Internationale Luftfahrtverband IATA schlug kürzlich eine ähnliche Strategie vor, bei der Passagiere in Abhängigkeit davon unter die Lupe genommen werden, wieviel bereits über sie bekannt ist. Die IATA-Mitgliedsstaaten sollen über den Vorschlag im kommenden Jahr beraten.

Die britische Innenministerin Theresa May verkündete im November Pläne, Passagiere aus als feindlich eingestuften Ländern schärfer zu kontrollieren. Gleiches soll auch für Fluggäste gelten, die ihre Tickets bar bezahlen.

Hier geht es zur Infostrecke: Profiling am Flughafen? Das sagen die Leser

(AFP)