Die Hymnen anderer Nationen sind nicht immer politisch korrekt.

Nationalhymnen : Die blutigen Lieder der anderen

Die Texte der Nationalhymnen anderer Länder sind nicht immer politisch korrekt. Die berühmte französische Marseillaise verherrlicht sogar die Gewalt.

Gemeinsames Singen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Hymne gehört deshalb fast zwingend zur Entstehung des Nationalstaats. Die ersten waren die Niederlande, ihr Lied „Het Wilhelmus“ (Der Wilhelm) wurde bereits im 16. Jahrhundert die Fanfare des Freiheitskampfes gegen die Spanier unter Führung dieses Grafen aus dem Haus Oranien. Allerdings erkoren unsere Nachbarn diese Weise, die sie vor allem bei Länderspielen inbrünstig schmettern, erst 1932 offiziell zu ihrer Hymne. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Polderland eine erbitterte Debatte darüber, ob die Zeile „ben ik van Duitsen bloed“ (bin ich von deutschem Blut) weiterhin von einem aufrechten Patrioten gesungen werden kann.

Man blieb beim Text – ähnlich wie die Franzosen bei ihrer blutrünstigen Marseillaise, die die Furchen der Felder „mit unreinem Blut tränken“ will. Unsere Nachbarn entschieden sich für die historische Kontinuität. Die Hymnen stammten aus einer bestimmten Zeit, dieser Kontext – der Freiheitskampf der Niederländer und die französische Revolution – habe die Nation begründet, heißt es. Die Mehrheit ist damit zufrieden. Die Hymne gilt als Reverenz an die historische Leistung.

Andere Länder haben dagegen den Text ihres nationalen Liedguts verändert. Die Kanadier strichen aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit 2018 die „Söhne“ zugunsten von „uns allen“. Die Österreicher haben gegen den erbitterten Widerstand der rechtslastigen FPÖ neben den „großen Söhnen“ auch den „großen Töchtern“ eine Heimat in ihrer Hymne gegeben. Die Schweiz, deren Nationalweise ein Kirchenlied ist, denkt manchmal über eine Volksabstimmung nach, um diesem Anachronismus ein Ende zu bereiten.

Doch bei den meisten überwiegt die Kontinuität – in den USA mit dem berühmten Star-spangled Banner, in Großbritannien mit „God save the Queen“, und selbst Russland hat zumindest die Melodie der alten Sowjet-Hymne übernommen. Am nachhaltigsten waren die Japaner: der Text ihres nationalen Lieds entstand im 9. Jahrhundert. Sie können ebenfalls behaupten, die älteste Hymne der Welt zu besitzen.

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