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Reise von Windpark zu Atomkraftwerk: Die Energie-Mission der Kanzlerin

Reise von Windpark zu Atomkraftwerk : Die Energie-Mission der Kanzlerin

Berlin (RPO). Kaum aus dem Urlaub zurück, zeigt die Kanzlerin Präsenz. Und zwar genau bei dem Thema, das in der Koalition für Zündstoff sorgt. Angela Merkel bricht heute zu einer viertägigen Energiereise auf. Wenige Wochen, bevor die Regierung ihr Energiekonzept vorstellt, macht die Kanzlerin das Thema zur Chefsache.

Von Kernkraft- bis zum Bioenergie-Heizkraftwerk - die Stationen auf der Kanzlerinnen-Reise entsprechen genau dem, was sich die Regierung bei dem Thema vorstellt: ein Energiemix, der das Land in die Zukunft bringen soll.

Und die Kanzlerin wird dabei abermals auf die Macht der schönen Bilder setzen. Merkel vor einem Windkraftrad, Merkel bei einem Dampfturbinen-Werk - genau das wird es wohl geben. Und genau das soll zeigen, wie sehr sich die CDU-Chefin darum bemüht, auch auf ökologische Lösungen zu setzen.

Die Macht der schönen Bilder

Dass sich die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept den erneuerbaren Energien nicht verschließen will, zeigt sich bereits bei der ersten Station. Denn zunächst reist Merkel nach Mecklenburg-Vorpommern, ihre politische Heimat. Dort besucht sie den Bürgerwindpark Krempin nahe Bad Doberan. Gleich im Anschluss geht es zum Windradhersteller Nordex.

Ob die Macht der schönen Bilder allerdings ausreicht, um der Regierung tatsächlich den grünen Weg abzunehmen, ist fraglich. Denn die Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke hat gezeigt, dass die Regierung eben nicht nur auf die Zukunft setzt, sondern auch auf die Vergangenheit.

Immer wieder mit der Begründung, dass erneuerbare Energien allein nicht ausreichen, bleiben Atomkraft und auch die Kohle ein Thema für Schwarz-Gelb. Nur dass der Atomausstieg unter Rot-Grün eigentlich schon beschlossene Sache war. Auch die Kürzung für die Solarförderung sorgte bei den betroffenen Unternehmen für Unmut und brachte Merkel nicht gerade den Ruf der Ökokanzlerin ein.

Streitthema Atomkraft

Dass die Verlängerung der Laufzeiten nun zu einem politischen Streitthema innerhalb der Koalition wird, mag der Kanzlerin alles andere als gefallen. Denn nun bekommt das Thema mehr Aufmerksamkeit, als es der Regierung nutzen könnte.

Zuletzt eskalierte der Streit mit den Stromkonzernen. Grund dafür ist die Brennelementesteuer, die das Sparpaket der Bundesregierung vorsieht. Sollte diese kommen, drohten die Konzerne mit dem Sofortausstieg aus der Kernenergie. Erpressen lassen wird sich Merkel indes kaum.

Und so reist sie vom "Plus-energie-Haus" in Darmstadt zum Turbinen-Hersteller für Wasserkraftwerke in Heidenheim. Immer getreu dem Motto, sich der Moderne nicht zu verschließen. Der Besuch des NRW-Steinkohlekraftwerkes in Lünen und des Kernkraftwerks Lingen in Niedersachsen steht dabei alles andere als im Widerspruch zu der Reise. Schließlich geht und ging es der Regierung immer um den richtigen Energiemix.

Lösen wird die Reise Merkels Problem allerdings nicht, denn die mächtige Atomlobby wird sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, mehr zahlen zu müssen, als sie jetzt schon tut. Für die Kanzlerin bleibt daher eins Priorität: den geschickten Spagat zu schaffen, die Gemüter der Konzerne und auch der Wähler zu beruhigen - und zudem die politische Diskussion in Berlin zu beenden.