Nach dem Wahlsieg der Grünen in Stuttgart: Die CDU hat ein Großstadtproblem

Nach dem Wahlsieg der Grünen in Stuttgart : Die CDU hat ein Großstadtproblem

Es ist eine herbe Schlappe für die CDU. Ausgerechnet gegen einen Grünen verlor ihr Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart. Und die Schlappe macht noch eines mehr deutlich: Die Partei hat immer größere Probleme, in Großstädten Wähler für sich zu gewinnen.

Erst Frankfurt, nun Stuttgart. Es sind Verluste, die die CDU schmerzen dürften. Denn in vielen Großstädten Deutschlands — Düsseldorf und Dresden sind die wenigen Ausnahmen — regiert inzwischen die politische Konkurrenz. Allen voran natürlich die SPD. Und nun hat nach dem Bundesland Baden-Württemberg auch in der Hauptstadt Stuttgart mit Fritz Kuhn ein Grüner das Ruder übernommen.

Dementsprechend fokussierte sich in der Partei nach der Wahlschlappe auch der Blickpunkt auf die Großstädte. Baden-Württembergs Landeschef Thomas Strobl etwa sagte, dass sich die CDU in den Metropolen schwer tue, das habe eben auch die Wahl in Frankfurt am Main gezeigt. Und der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann mahnte, die Bundes-CDU müsse dringend ein Großstadtkonzept entwickeln.

Machtwechsel in Frankfurt

Doch dieses Problem besteht nicht erst seit gestern. Es wurde bereits im vergangenen Jahr deutlich, doch schmerzhaft wurde es erst im März, als der SPD-Mann Peter Feldmann den Posten von der 17 Jahre lang regierenden CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth (sie zog sich zurück) übernahm. Mit dem jetzigen erneuten Siegeszug der Grünen wird die Frage nach den Großstädten — zumal im nächsten Jahr Bundestagswahl ist — drängender denn je.

Denn in den Großstädten lebt ein Klientel, dass ganz andere Themen auf dem Schirm hat als offenbar die CDU. Es sind vor allem junge Menschen, die sich um Dinge wie den Klimaschutz sorgen. Viele Menschen leben in Einpersonenhaushalten. Junge Alleinerziehende machen sich Gedanken, ob sie einen Kita-Platz für ihren Nachwuchs bekommen. Immerhin, den Kita-Ausbau hat die CDU schon seit geraumer Zeit auf dem Plan.

In den Städten, so sagt der Kommunikationsprofessor Frank Brettschneider der Nachrichtenagentur dpa, "trifft sie den urbanen Lebensstil weiter Teile der Stadtbevölkerung nicht mehr". Und das könnte für die Union gerade im kommenden Jahr zu einem brennenden Problem werden. Denn die Partei muss auch in den Städten punkten, will sie weiter an der Regierung bleiben.

Das Erbe von Stefan Mappus

Und so wird das Wahlergebnis von Stuttgart wohl auch in der Berliner Politik mächtig nach hallen. Zwar sagt der Politikwissenschaftler Oscar Gabriel der Nachrichtenagentur dpa, dass die CDU im Südwesten nicht aus dem Schatten des früheren Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus herauskomme und daher dort eine lange Durststrecke habe.

Auch der Erfolg des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann dürfte sein Übriges dazu beigetragen haben, so dass sich mancher Wähler in Stuttgart eher getraut hat, einem — weiteren — grünen Politiker seine Stimme zu geben. Doch der Verlust des Oberbürgermeisterpostens in Frankfurt am Main hat gezeigt, dass es nicht allein ein südwestliches Phänomen ist, dass ein CDU-Stadtoberhaupt abdanken muss.

Die Grünen jedenfalls triumphieren schon jetzt und sehen den Sieg von Stuttgart auch als gutes Signal für den Bund. Und die CDU wird sich Gedanken machen müssen, wie sie ihr Großstadtproblem löst. Zumal die Partei noch mehr Probleme in Bezug auf die Bundestagswahl hat — wie etwa den schwächelnden Lieblingskoalitionspartner FDP.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fritz Kuhn feiert seinen Wahlsieg

(das)
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