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Weltjugendtag: Die 25 Engel des Papstes

Weltjugendtag : Die 25 Engel des Papstes

Vatikanstadt (rpo). Gemessen an US-Präsidenten oder der Queen reist der Papst mit kleinem Gefolge. Während George W. Bush ganze Kompanien von Sicherheitsbeamten zum Staatsbesuch mitnimmt und Elizabeth II. auch unterwegs nicht auf ihren Hofstaat verzichtet, lässt sich Benedikt XVI. nach Köln von gerade mal 25 Personen begleiten: einem Kardinal, drei Bischöfen, fünf Prälaten und einem guten Dutzend Laien.

Die Berufung ins "seguito papale", ins päpstliche Gefolge, gilt als hohe Ehre, bedeutet aber weniger Repräsentation als vielmehr arbeitsintensive Dienstleistung. Der Papst nimmt mit, wen er zur Wahrnehmung seiner Aufgaben als Kirchen- und Staatsoberhaupt während der Reise braucht: die engsten Mitarbeiter und Berater, Zeremonienmeister, Reisemarschall, die Chefs der vatikanischen Medien, Leibarzt, einen "Kammerherrn" sowie Sicherheitsleute.

Angeführt wird das Gefolge von Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano. Der engste Mitarbeiter des Papstes weicht auch außerhalb des Vatikan nicht von dessen Seite. Er hält Kontakt zur römischen Zentrale und nimmt für das Kirchenoberhaupt zusätzliche Gesprächstermine wahr. Auch dazu gehört der vatikanische "Innenminister", Erzbischof Leonardo Sandri. Besonders gefragt ist der jeweilige Abteilungsleiter des Staatssekretariat: als Chef der deutschsprachigen Sektion der Eichstätter Prälat Christoph Kühn.

Eine zentrale Figur ist der Zeremonienmeister. Erzbischof Piero Marini ist mit seinem Assistenten Giulio Viviani immer schon Stunden vor den Gottesdiensten am Ort, präpariert Messgewänder, überprüft Texte und Geräte und kontrolliert, ob die örtlichen Planer nicht doch etwas vergessen haben. Bei den Messen sieht man ihn dann rechts hinter dem Papst. Ebenfalls im Bischofsrang ist Reisemarschall Renato Boccardo. Seit zwei Jahren bereitet der Mann mit der steilen Vatikan-Karriere den Reiseablauf minutiös vor. Bei Lokalterminen hat er Plätze inspiziert, Transportmittel ausgewählt, Fahrtrouten ausgetüftelt, Sicherheitsfragen geklärt und Zuständigkeiten klargestellt. Während des Besuchs liegt es an ihm und dem Ko-Organisator Alberto Gasbarri, dass alles klappt.

Zur Papstbegleitung gehören auch die Privatsekretäre des Papstes: der aus dem Schwarzwald stammende Prälat Georg Gänswein und der Ukrainer Mieczyslaw Mokrzycki, der schon unter Johannes Paul II. im "Appartamento" Dienst tat. Sie assistieren dem Papst bei allen nicht-liturgischen Terminen, halten Redemanuskripte bereit, kontrollieren Ablaufpläne - und sind Anlaufstelle für alle, die ein Anliegen haben. Immer in Papstnähe ist "Kammerherr" Angelo Gugel. Er reicht die Rosenkränze und Medaillen an, die der Papst verschenkt. Je nach Witterung trägt er ihm auch Mantel und Schirm. Gelassener als bisher dürfte der päpstliche Leibarzt den Köln-Besuch angehen. Renato Buzzonetti reiste zuletzt stets mit großem medizinischem Gepäck. Bei allen Terminen von Johannes Paul II. sah man ihn mit besorgter Miene in der ersten Sitzreihe.

Auch die Chefs der vatikaneigenen Medien tragen, weil sie von Berufs wegen immer in Papstnähe sein müssen, den exklusiven Seguito-Button des "Gefolges": Pater Federico Lombardi von Radio Vatikan und von CTV, Mario Agnes, Chefredakteur des "Osservatore Romano", und Joaquin Navarro-Valls als Leiter des vatikanischen Presseamtes. Auch Papst-Fotograf Arturo Mari hat seinen festen Platz, der ihm Perspektiven bietet, um die ihn alle Kollegen beneiden. Schließlich sind noch zwei Schweizergardisten, fünf vatikanische Gendarme sowie zwei CTV-Techniker dabei.

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Bei der Ankunft von Benedikt XVI. in Köln wird der "inner circle" erweitert: Dann stoßen der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der Kölner Kardinal Joachim Meisner und Nuntius Erwin Ender samt Mitarbeitern hinzu. Der Präsident des organisierenden Päpstlichen Laienrates, Erzbischof Stanislaw Rylko, schließt sich ebenso an wie die Sekretäre der Organisationsgremien Weltjugendtagsbüro und Deutsche Bischofskonferenz, Prälat Heiner Koch und Pater Hans Langendörfer.

Ein bekanntes Gesicht fehlt diesmal: Schwester Tobiana Sobodka, die als gelernte Krankenschwester den alten Johannes Paul II. im Vatikan wie auf Reisen betreute. Sie folgte vor zwei Monaten dem früheren Papstsekretär und neu ernannten Krakauer Erzbischof Stanislaw Dziwisz zurück in ihre Heimatstadt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Wir sind Papst" - Wie die Welt Benedikt XVI. begrüßt

(afp)