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Deutschlandtrend - Die Macht der Umfragewerte für die Kanzler-Frage

Deutschlandtrend : Die Macht der Umfragewerte für die Kanzler-Frage

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist nach dem ARD-Deutschlandtrend der beliebteste Politiker nach Kanzlerin Angela Merkel. Der neue Höhenflug des 40-Jährigen könnte die Machtaufstellung in der Union noch einmal durcheinanderwirbeln.

Der Anstieg der Corona-Fallzahlen wird offensichtlich nicht dem Bundesgesundheitsminister zur Last gelegt. Im aktuellen ARD-„Deutschlandtrend“ kommt Jens Spahn (CDU) auf einen Zustimmungswert von 60 Prozent. Damit ist er an Finanzminister Olaf Scholz (SPD) vorbeigezogen, mit dem noch 57 Prozent der Befragten zufrieden sind. Spahn, der zu Beginn seiner Amtszeit als Gesundheitsminister in der öffentlichen Beliebtheit weit hinten lag, ist damit aktuell nach Kanzlerin Angela Merkel (71 Prozent Zustimmung) der beliebteste Politiker Deutschlands.

Die Beliebtheitswerte des Ministers sind während der Pandemie kontinuierlich gestiegen. Die Frage, ob es geschickt war, zu Beginn der Krise sich im Wettbewerb um die künftige CDU-Führung im Tandem auf den Sattel hinter NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zu setzen, wehrt Spahn stets ab. Er sagt, viel schwieriger wäre es für ihn gewesen, wenn alle seine Entscheidungen und jeder Auftritt mit Blick auf seine mögliche Taktik im Kampf um den CDU-Vorsitz beurteilt worden wäre. Wobei auch eine solche verschärfte Beobachtung durch Medien und Öffentlichkeit sehr unterschiedliche Auswirkung haben kann, wie der Vergleich von Laschet und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigt.

Die Stimmung in der CDU, wer denn nun neuer Parteichef werden und damit wahrscheinlich auch die Kanzlerkandidatur bekommen wird, ist diffus. Während zu Jahresbeginn noch viele Funktionäre sagen konnten, wen sie als künftigen Parteichef wünschen, wächst die Gruppe jener immer weiter, die nur sagen können, wen sie nicht wollen. Eine solche Situation könnte dazu führen, dass es am Ende noch zu einer Überraschung kommt.

Im Regierungsviertel wird die Variante diskutiert, dass Spahn Parteichef und Söder Kanzlerkandidat werden könnte. Doch sollten Spahns Umfragewerte auf dem aktuell hohen Niveau stabil bleiben, gibt es für den Gesundheitsminister keinen guten Grund, nicht auch den Versuch zu unternehmen, nach dem gesamten Erbe Merkels zu greifen.

Der Machtkampf in der Union nimmt auch deshalb an Fahrt auf, weil die Union in den Umfragen wieder genug Gewicht auf die Waage bringt, auch ohne Merkel als Zugpferd das Kanzleramt halten zu können. In ihrer bisherigen Geschichte hat die Union stets jenen Mann oder jene Frau ins Rennen ums Kanzleramt gemacht, bei dem oder der sie am ehesten vermutete, dass am Ende die Eroberung der Macht stünde.

(qua)