Deutschland nimmt weniger Jesiden als Flüchtlinge auf

Sinkende Anerkennungsquote: Deutschland nimmt weniger Jesiden als Flüchtlinge auf

Asylanträge von Jesiden in Deutschland haben immer seltener Erfolg. 2015 betrug die Anerkennungsquote noch 97 Prozent. Inzwischen liegt sie bei 60 Prozent.

2018 hätten nur 60 Prozent dieser religiösen Minderheit in Deutschland mit Asylanträgen Erfolg gehabt, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf eine Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage der Linken. Im Vorjahr seien es noch 85 Prozent gewesen. Die Anerkennungsquote geht demnach seit Jahren zurück: 2015 habe sie noch 97 Prozent betragen.

In absoluten Zahlen erhielten der Zeitung zufolge 2018 noch 5349 Jesiden einen positiven Asylentscheid, die meisten davon aus dem Irak. Als Grund wird angeführt, dass Jesiden inzwischen häufiger aus vermeintlich sicheren Ländern wie Russland, Georgien und der Türkei nach Deutschland einreisten und so weniger Aussicht auf Erfolg hätten. Viele blieben auch in Flüchtlingslagern, etwa in der Türkei.

Die innenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang und der Asyl-Affäre in der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Dort soll die frühere Leiterin aus humanitären Gründen vor allem Jesiden als Asylbewerber anerkannt haben, ohne den Sachverhalt konkret zu prüfen. Die Linken-Politikerin kritisierte eine grundsätzlich ablehnende Haltung der deutschen Politik gegen jesidische Asylbewerber.

Die Glaubensgemeinschaft der Jesiden wird von der Terrormiliz IS im Irak und Syrien seit Jahren verfolgt. Hunderttausende Jesiden sind seit 2014 geflohen, viele davon nach Deutschland, wo es inzwischen die größte Exil-Gemeinschaft der Jesiden gibt.

(jco/kna)
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