Migrationsbericht 2013 Jeder Fünfte in Deutschland hat Migrationshintergrund

Berlin · Im Jahr 2013 sind so viele Menschen nach Deutschland gezogen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus dem Migrationsbericht hervor, der heute veröffentlicht wird.

Deutschland: Jeder Fünfte hat Migrationshintergrund
Foto: dpa, Daniel Bockwoldt

Laut dem Migrationsbericht 2013 kamen 430.000 Menschen mehr nach Deutschland, als abwanderten. Während 1,23 Millionen Menschen nach Deutschland zogen, verließen 800.000 das Land. Wanderungsverluste gab es bei Deutschen und bei Türken - das heißt, aus der Gruppe dieser beiden Nationalitäten zogen mehr Menschen aus Deutschland weg, als neu einen Wohnsitz nahmen.

Deutschland ist längst ein Einwanderungsland: Mittlerweile hat jeder fünfte Bürger hierzulande einen Migrationshintergrund. Mit fast 77 Prozent kommen die meisten Zuzügler aus Europa. Die Hauptherkunftsländer sind Polen, Rumänien, Italien, Spanien und Griechenland. Innerhalb der EU herrscht Freizügigkeit: Die Neuankömmlinge aus diesen Staaten müssen weder Arbeitsplatz noch Sprachkenntnisse nachweisen, wenn sie einwandern.

Wer als Fachkraft aus einem Land außerhalb der EU nach Deutschland ziehen möchte, muss einen Arbeitsplatz nachweisen können. 2013 ging die Zahl der eingewanderten Fachkräfte seit 2009 erstmals wieder zurück. Sie lag bei 24.000. Im Jahr zuvor waren es noch 3000 mehr gewesen. Erklärt wird der Rückgang mit dem EU-Beitritt Kroatiens. Von dort kamen in den Vorjahren entsprechend viele Fachkräfte.

Innerhalb der großen Koalition gibt es derzeit einige Diskussionen über das Thema Zuwanderung. CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte ein Einwanderungsgesetz ins Gespräch gebracht, was in der Union allerdings auf breite Ablehnung stößt. Die Sozialdemokraten wollen nun bis Ende Februar Vorschläge für ein Einwanderungsgesetz vorlegen und darüber mit CDU und CSU diskutieren.

2011 wanderten 958.000 Menschen nach Deutschland ein
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2011 wanderten 958.000 Menschen nach Deutschland ein

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"Wir müssen mit einem Einwanderungsgesetz eine berechenbare Chance für qualifizierte Leute schaffen, nach Deutschland einwandern zu können - nach Maßgabe von Sprachkenntnissen und beruflichen Fähigkeiten", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Vielen sei das Ausmaß der demografischen Auswirkungen in den nächsten 20 Jahren überhaupt noch nicht bewusst. "Wir werden eine Lücke von 8,5 Millionen Erwerbstätigen haben. Wir brauchen in Zukunft Jahr für Jahr Hunderttausende Einwanderer." Wichtig sei dafür eine vernünftige Steuerung, zum Beispiel über ein Punktesystem.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte die Regierung auf, ein Konzept vorzulegen. "Sonst kommen die Menschen, die wir aufnehmen wollen, nicht zu uns, sondern gehen in attraktivere Länder", warnte sie in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

(qua)
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