Fehlende Arbeitskräfte Deutscher Arbeitsmarkt ist auf Zuwanderung angewiesen

Exklusiv | Berlin · Der demografische Wandel schlägt auf dem Arbeitsmarkt ein: Mehr Deutsche gehen in den Ruhestand als Deutsche eine Beschäftigung aufnehmen. Wirtschaftsminister Robert Habeck setzt auf Zuwanderung. Seine Devise: Raus aus dem Sozialsystem, rein in die Beschäftigung.

 Laut Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) fehlt es nicht nur an Fachkräften, sondern an „allen möglichen Ecken und Enden“ an Arbeitskräften.

Laut Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) fehlt es nicht nur an Fachkräften, sondern an „allen möglichen Ecken und Enden“ an Arbeitskräften.

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt klafft eine Lücke, die von deutschen Beschäftigten alleine nicht mehr gefüllt werden kann. So geht die Beschäftigung deutscher Staatsbürger seit Anfang des Jahres deutlich zurück. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt. Hintergrund ist der demografische Wandel. Er führt dazu, dass mehr Deutsche altersbedingt in den Ruhestand gehen als Deutsche in Lohn und Brot kommen. Deutschland ist damit auf Zuwanderung angewiesen, um seinen Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Konkret waren im Juni 2023 rund 100.000 Deutsche weniger sozialversichert als im Vorjahresmonat Juni 2022. Seit Januar sinken demnach die Zahlen der sozialversicherungspflichtigen Deutschen kontinuierlich. Ausländer sind dagegen rund 300.000 mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt als noch vor einem Jahr.

„Wir brauchen dringend mehr Fach- und Arbeitskräfte. Wir alle spüren es mittlerweile in unserem Alltag“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unserer Redaktion. „Und es geht dabei nicht nur um Fachkräfte – wir merken an allen möglichen Ecken und Enden, dass uns schlicht Arbeitskräfte fehlen.“

Der Vizekanzler folgert daraus zum einen, dass man alles daran setzen müsse, „inländisches Arbeitspotenzial besser zu heben“ – etwa durch Qualifikation oder bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Zum anderen aber sei es „offenkundig, dass Deutschland auch auf Zuwanderung angewiesen ist, um den Arbeitskräftebedarf zu decken, Wachstum zu generieren und Wohlstand zu sichern“, so Habeck. Dafür habe die Bundesregierung das Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen.

Die neuen Arbeitsmarkt-Zahlen treffen mitten in eine Debatte über die Arbeitserlaubnis für Geflüchtete in Deutschland. Habeck befürwortet dies für Flüchtlinge, die schon „seit einiger Zeit“ im Land sind. Die Devise sollte lauten: „Raus aus dem Sozialsystem, rein in die Beschäftigung, damit Flüchtlinge möglichst selbst ihren Lebensunterhalt verdienen und ihren Beitrag zum Gemeinwesen leisten können.“ Zugleich sei „völlig klar, dass wir eine bessere Steuerbarkeit brauchen, wer ins Land kommt, und dass die, die nicht bleiben dürfen, zügig wieder gehen müssen“, sagte der Grünen-Politiker. Das gemeinsame Asylsystem auf EU-Ebene sei dafür ein Instrument, Migrationsabkommen ein weiteres.