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Umfrage zu Gesprächen um Stuttgart 21: Deutsche wollen Schlichtung auch in Zukunft

Umfrage zu Gesprächen um Stuttgart 21 : Deutsche wollen Schlichtung auch in Zukunft

Stuttgart (RPO). Die Wirkung war größer als erwartet: Die Schlichtungsgespräche um Stuttgart 21 haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Und das nicht etwa bei den Teilnehmern, sondern beim Wähler selbst. Denn der sieht nicht nur solche Gespräche als Erfolg, sondern hat auch seine Meinung über das Bahnprojekt geändert.

Noch vor wenigen Wochen zeigte der ARD-Deutschlandtrend ein ganz anderes Bild: Die Grünen stiegen von einem Hoch zum nächsten. Und der Grund dafür war nichts anderes als das Bahnprojekt Stuttgart 21, gegen das sich die Partei von Anfang an stellte. Doch plötzlich ist alles anders. Kaum hat CDU-Politiker Heiner Geißler seinen Schlichterspruch verkündet, ist der Höhenflug der Grünen vorerst beendet - auch wenn sie mit einer Zustimmung von 21 Prozent immer noch sehr gut dastehen.

Der Zusammenhang mit dem umstrittenen Bahnprojekt wird deutlich, wenn man sich einen Aspekt der Umfrage genauer ansieht. Nach dem umstrittenen Polizeieinsatz im Stuttgarter Schlosspark, bei dem hunderte Demonstranten verletzt worden waren, war das Projekt plötzlich deutschlandweit in aller Munde - und die meisten lehnten es ab. Sogar in Berlin wurde dagegen demonstriert. Und die Grünen begannen mit ihrem Aufstieg in den Umfragen.

Doch der Schlichterspruch hat alles geändert. Dass der Bahnhof nun doch gebaut werden soll, wenn auch mit erheblichen Auflagen, findet bei der Mehrheit der Bevölkerung Zustimmung. Laut dem Deutschlandtrend sagen 51 Prozent, der Schlichterspruch gehe in die richtige Richtung, 32 Prozent halten ihn für falsch.

Eine beruhigende Wirkung

Es ist ein Wandel, den wohl keiner zu Beginn der Gespräche erwartet hatte. Zu groß waren auch die Meinungsverschiedenheiten auf beiden Seiten, zu starr die Positionen. Damals hatten viele noch geglaubt, dass die Gespräche keinen Erfolg bringen würden. Doch trotz der Vorwürfe, die sich beide Seiten bis zum Ende machten, zeigten sich Gegner und Befürworter mit der Zeit ein wenig kompromissbereit und signalisierten, den Schlichterspruch akzeptieren zu wollen.

Und die Gespräche hatten auch eine beruhigende Wirkung. Denn es gab in der Zeit zwar weiter Demonstrationen, doch die zunehmend eskalierende Lage, die ihren Höhepunkt in jenem umstrittenen Polizeieinsatz fand, hatte sich beruhigt. So sehen auch die Befragten selbst die Wirkung des Schlichtungsgespräches positiv. In der Umfrage befürworten 71 Prozent die Schlichtung als ein Modell für die Zukunft bei umstrittenen Bauprojekten.

Das zeigt aber auch eines: Den Menschen, die in den vergangenen Monaten zu Hauf auf die Straße gingen, um gegen das Projekt zu demonstrieren, waren nicht die "Ich-bin-enfach-mal-dagegen"-Protestler. Die Menschen fühlten sich missverstanden und vor allem nicht ernst genommen. Ihnen wurde schlichtweg nicht zugehört.

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Die Rolle Heiner Geißlers

Bei den Schlichtungsgesprächen dagegen saßen endlich einmal beide Seiten am Tisch, alle Argumente wurden ausgiebig diskutiert - teils derart bis ins Detail, dass es den Nicht-Experten schon gelegentlich langweilte.

Nicht zu vergessen ist hierbei aber auch die Rolle von Heiner Geißler. Der Schlichter hat es geschafft, mit Charme und Witz die Rolle des Mediators zu führen und sich in jeder Hinsicht auch als der neutrale Vermittler zu präsentieren, den diese Gespräche so nötig hatten.

Das danken ihm nun sogar die Wähler - auch wenn das Geißler selbst nichts nützt, schließlich ist seine große Zeit in der Politik Geschichte. Doch der Beliebtheit des Schlichters tut das keinen Abbruch. Laut Deutschlandtrend kam er aus dem Stand heraus auf Platz zwei der beliebtesten Politiker. 57 Prozent der Befragten zeigten sich mit seiner Arbeit zufrieden. Nur einer schnitt wieder einmal besser ab - und das ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Sieben-Punkte-Plan zu "Stuttgart 21 Plus"