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Deutsche Klimabilanz: Könnte der Umweltschutz von der Coronakrise profitieren?

Klimabilanz : Zumindest das Klima könnte von Corona profitieren

Deutschland hat den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen im vergangenen Jahr weiter reduzieren können.

Svenja Schulze ist sehr deutlich: „Corona hat absolute Priorität.“ Auch wenn es für die Umweltministerin noch andere Themen gibt. Es fühle sich seltsam an, in diesen Tagen mit einem anderen Thema an die Öffentlichkeit zu gehen: zum Beispiel mit der deutschen Klimabilanz 2019. Eine Hoffnung haben die Bundesumweltministerin und der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner: „Corona kann helfen, zu verstehen, dass unsere Gesellschaften erschüttert werden können bis in ihre Grundfesten“, sagt UBA-Präsident Messner.

Denn ähnlich wie Corona seien auch Erderwärmung und Klimawandel in der Lage, die Gesellschaft zu erschüttern, wenn die Staatengemeinschaft nicht gegensteuere. Oberhalb des Zieles der Weltklimakonferenz von Paris, die Erderwärmung bis 2100 auf maximal zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung zu begrenzen, „geraten wir in schwieriges Fahrwasser“. Doch dieses Ziel sei nur noch zu erreichen, wenn die Volkswirtschaften der Welt in jeder Dekade ihre Emissionen halbierten.

Bundesumweltministerin Schulze hat eine Erfolgsmeldung in Sachen Klima mitgebracht. In Deutschland sei der Ausstoß von Treibhausgas im vergangenen Jahr um rund 54 Millionen Tonnen oder 6,3 Prozent im Vergleich zu 2018 zurückgegangen – auf 805 Millionen Tonnen. Mit Ausnahme von 2009, als die Weltwirtschaft in Folge der Bankenkrise in den Keller rutschte, sei dies der größte Rückgang seit 1990. „Die Klimabilanz 2019 zeigt: Unsere Maßnahmen greifen, es wurde deutlich weniger Kohle verbrannt“, so Schulze. „Deutschland bewegt sich in die richtige Richtung hin zum Klimaziel 2030. Das ist erfreulich“, so UBA-Präsident Messner. Beide betonten die Bedeutung des Kohleausstiegs und den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Für Schulze ist es erfreulich, dass Deutschland seinen Ausstoß bei den Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 aktuell um 35,7 Prozent zurückgefahren habe. Man sei jetzt deutlich näher am erklärten Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2020, als viele Skeptiker noch vor Jahren geglaubt hätten. Bis 2030, wenn Deutschland seine Treibhausgasemissionen um 55 Prozent reduziert haben will, ist laut Schulze ein Rückgang von 51 oder 52 Prozent „möglich“, zitierte sie Schätzungen von Wissenschaftlern. Schulze forderte: „Der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie muss dringend weitergehen.“ UBA-Präsident Messner sieht dies ähnlich: „Das stärkste Zugpferd für den Klimaschutz ist in Gefahr, wenn wir die Erneuerbaren Energien nicht weiter ausbauen.“

Messner sprach sich für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen von 120 Stundenkilometern aus. Damit könnten jedes Jahr 2,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Er lobte die gestiegene Motoreneffizienz im Automobilbau. Zugleich würde aber dieser Effizienz-Vorsprung aufgebraucht, weil die Autobauer im Gegenzug viele deutliche schwerere Fahrzeuge (SUVs) auf den Markt gebracht hätten, mehr Kilometer gefahren würden und auch mehr Autos unterwegs seien. Der UBA-Präsident bedauerte, dass der Verkehrssektor beim Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 lediglich stagniere – trotz technischen Fortschritts.

Schulze wie Messner erwarten, dass durch die Corona-Krise in diesem Jahr weniger Kohlendioxid ausgestoßen werde als in den Vorjahren. Sollten die Reisebeschränkungen vier Monate dauern, könnte der Ausstoß in Deutschland dadurch um etwa 20 Millionen Tonnen zurückgehen. Dies sei aber nur ein „Einmaleffekt“.

(hom)