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Deutsche Juden zieht es nach Israel

Jüdische Gemeinden schrumpfen : Immer mehr deutsche Juden zieht es nach Israel

Jahr für Jahr kehren mehr Juden Deutschland den Rücken, um in Israel eine neue Heimat zu suchen. Aber auch aus anderen Gründen schrumpfen die jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Die jüdischen Synagogengemeinden in Deutschland schrumpfen. Ihre Mitgliedszahl hat sich von fast 108.000 im Jahr 2006 auf gut 96.000 im vergangenen Jahr verkleinert. Zugleich steigt die Zahl jüdischer Auswanderer aus Deutschland nach Israel. Wie die Jewish Agency, die sich für die weltweite Verbindung zwischen Juden und Israel einsetzt, auf Anfrage mitteilte, emigrierten im vergangenen Jahr 186 Juden aus Deutschland nach Israel. 2014 waren es 102 gewesen, seitdem werden es jedes Jahr mehr, die Deutschland den Rücken kehren und in Israel heimisch werden wollen.

Dennoch zeigt die jüngste Mitgliederstatistik der jüdischen Gemeinden und Landesverbände insgesamt weiter einen anderen Trend. Demnach sind aus den Gemeinden im vergangenen Jahr 152 Mitglieder ins Ausland gewechselt, zugleich kamen aus dem Ausland 253 in die jüdischen Gemeinden in Deutschland. Diese Diskrepanz in den Zahlen rührt daher, dass weniger als die Hälfte aller in Deutschland lebenden Juden auch Gemeindemitglieder sind. Die Zahl jüdischer Mitbürger wird auf rund eine Viertelmillion geschätzt.

Das jüdische Leben hatte sich seit Anfang der 90er Jahre durch den Zuzug vieler Juden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion stark verändert. Noch 1990 zählten die jüdischen Gemeinden 20.089 Mitglieder. Der Höhepunkt war im Jahr 2006 mit 107.794 Mitgliedern erreicht. Die Zahl sinkt seitdem kontinuierlich, allein 2018 von 97.791 Mitgliedern zu Beginn auf 96.195 am Ende des Jahres.

Das hat vor allem mit der Altersstruktur und fehlendem Nachwuchs zu tun. So standen im vergangenen Jahr 226 Geburten 1557 Todesfällen gegenüber. Zugleich traten lediglich 82 Juden den Gemeinden bei, während 545 austraten. Der Landesverband Nordrhein bleibt mit nunmehr 16.044 Mitgliedern der stärkste. Berlin folgt mit 9255 Mitgliedern auf dem zweiten, Bayern mit 8641 auf dem dritten Platz. Allerdings folgt die regionale Gliederung nicht überall den Grenzen der Bundesländer. Einige Verbände existieren parallel und orientieren sich an ihrer Glaubensausrichtung.