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Deutsche Bundeswehr: Zsolt Balla ist erster Militärrabbiner seit 100 Jahren

Neuer Posten bei der Bundeswehr : Erster Militärrabbiner seit 100 Jahren nimmt seinen Dienst auf

Zsolt Balla wird der erste Militärrabbiner seit einhundert Jahren beim deutschen Militär. Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass es künftig mehr jüdische Soldaten in der Bundeswehr gibt. Angesichts der jüngsten Vorfälle tut mehr Aufklärung in der Truppe dringend Not.

Es soll ein Zeichen sein – auch gegen den wachsenden Antisemitismus im Land: Erstmals seit rund 100 Jahren hat Deutschland wieder einen jüdischen Militärseelsorger. Sachsens Landesrabbiner Zsolt Balla wurde am Montag in der Leipziger Synagoge feierlich in das Amt des ersten Militärbundesrabbiners eingeführt. An der Zeremonie nahmen auch Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, teil.

Schuster sprach von einem „Grund zur Freude und zur Dankbarkeit“. Die Einführung eines Militärbundesrabbiners „schien über Jahrzehnte undenkbar und ist auch jetzt alles andere als selbstverständlich“, sagte er. Die jüdische Gemeinschaft wolle Verantwortung für die Demokratie übernehmen. Dazu gehöre auch eine Armee, die demokratische Werte lebe und „in der politischer Extremismus und Intoleranz keinen Platz haben“, erklärte er mit Blick auf zuletzt „viel zu viele beunruhigende Nachrichten aus der Bundeswehr“.

Schuster spielt damit auf die jüngsten Vorwürfe gegen deutsche Soldaten in Litauen an. Ein aus 30 Soldaten bestehender Zug wird zurück nach Deutschland gebracht. Im Raum stehen Straftaten wie sexuelle Nötigung, Beleidigung mit rassistischem oder antisemitischem Inhalt sowie extremistische Verhaltensweisen.

Mit Blick auch auf diese Umtriebe in der Bundeswehr sagte Balla am Montag: „Wenn wir anerkennen, dass wir ein Problem haben, haben wir die Möglichkeit, diese Probleme zu bekämpfen.“ Antisemitismus und jede Art von Hass gegen Minderheiten werde man in einer Gesellschaft „niemals für immer“ komplett ausmerzen können. Mit Gesprächen, guten Arbeit und im Austausch aber könne man „diese Tendenzen mindestens isolieren“.

Bei der Feierstunde sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Leipzig: „Das Judentum gehört zur Bundeswehr.“ Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sprach die Ministerin von einem großen Tag, der viel „wiege".

Kramp-Karrenbauer betonte, es gehe nicht nur darum, jüdisches Leben in der Bundeswehr sichtbar zu machen, sondern die jüdische Militärseelsorge richte sich an die gesamte Truppe und schaffe authentische Begegnungen. „Die künftigen Militärrabbiner werden eine wichtige Stütze sein."

Ende 2019 hatten Kramp-Karrenbauer und der Zentralrat der Juden in Deutschland einen Staatsvertrag über die jüdische Militärseelsorge unterzeichnet. Deren Struktur ähnelt der von den beiden großen Kirchen verantworteten christlichen Militärseelsorge.

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Der 1979 in Ungarn geborene orthodoxe Rabbiner Balla soll die Arbeit von bis zu zehn jüdischen Geistlichen in der Bundeswehr koordinieren. Sie sollen Seelsorger für jüdische Soldatinnen und Soldaten sowie Ansprechpartner für die gesamte Armee sein.

Schätzungen gingen zuletzt von rund 300 Juden unter den rund 180.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr aus. Die Zahl der Christen wird auf rund 90.000 geschätzt, die der Muslime auf 3000. Genauere Zahlen gibt es nicht, da die Religionszugehörigkeit der Soldaten nur auf freiwilliger Basis erfasst wird.

(mün)