Paketbomben aus dem Jemen: Deutsche Behörden gingen von Fehlalarm aus

Paketbomben aus dem Jemen : Deutsche Behörden gingen von Fehlalarm aus

Düsseldorf (RPO). Die deutschen Sicherheitsbehörden sind laut einem Medienbericht mehr als 36 Stunden lang davon ausgegangen, dass es sich bei der über den Flughafen Köln/Bonn transportierten Paketbombe aus dem Jemen um einen Fehlalarm handelt. Unterdessen wurde bekannt, dass die USA bereits im Oktober eine Warnung aus Saudi-Arabien über geplante Terroranschläge erhalten hatten.

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU): "Aufgrund der uns vorliegenden Informationen der Briten mussten wir zum damaligen Zeitpunkt davon ausgehen, dass es sich um einen Fehlalarm handelt." Der Minister begründete damit, warum Bundeskanzlerin Angela Merkel auch zu Beginn ihres London-Besuchs am vergangenen Samstagabend noch nicht über den Vorgang informiert worden war: "Wir wollten belastbare Ergebnisse abwarten." Er selbst sei aber über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden.

Kurz nach der Ankunft der Kanzlerin in London wurde am vergangenen Samstag bekannt, dass eine der beiden aus dem Jemen stammenden Paketbomben auf dem Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden war. Sowohl die Paketbombe aus dem Jemen als auch die von griechischen Linksextremisten in der vergangenen Woche an die Adresse von Bundeskanzlerin Angela Merkel adressierte Briefbombe sind nach den Worten des Ministers trotz Röntgenkontrolle nicht entdeckt worden. Die Bombe aus dem Jemen sei sogar zwei mal kontrolliert worden, so de Maizière: "Das Paket mit den angeblichen Druckerpatronen wurde sowohl im Jemen als auch in Dubai geröntgt. Leider erfolglos."

Bei der aus Griechenland stammenden Briefbombe machte de Maizière die mangelnde Qualität der Sicherheitsprüfungen verantwortlich: "Die Bombe, die an die Kanzlerin adressiert war, ist auf dem Flughafen vor dem Verladen geröntgt, aber nicht entdeckt worden. Zwei baugleiche Bomben, die von einem anderen Unternehmen ebenfalls von Athen aus transportiert werden sollten, aber nicht für Deutschland bestimmt waren, wurden hingegen entdeckt. Es hat also viel mit der Qualität von Kontrollen zu tun."

USA waren gewarnt

Die USA haben einem Zeitungsbericht zufolge bereits Anfang Oktober eine glaubwürdige Warnung aus Saudi-Arabien erhalten, wonach der El-Kaida-Ableger im Jemen Terroranschläge plante. Der saudiarabische Geheimdienst habe am 9. Oktober die US-Kollegen informiert, dass der jemenitische Arm der Terrororganisation vier Tage zuvor seine Planungen für einen Anschlag in den USA oder Europa abgeschlossen habe, bei denen ein oder zwei Flugzeuge eingesetzt werden sollten, berichtete die "New York Times" am Freitag unter Berufung auf US- und EU-Vertreter.

Demnach erwarteten die saudiarabischen Geheimdienstexperten, dass der oder die Anschläge etwa binnen einer Woche verübt werden würden. Ein US-Vertreter sagte aber der Zeitung, dass es keine spezifische Informationen darüber gegeben habe, wie die Attentate ausgeführt werden sollten. Wie die "NYT" weiter berichtete, fingen US-Geheimdienste Mitte September zudem mehrere Pakete mit Büchern, Papieren und CDs ab, die aus dem Jemen nach Chicago verschickt worden waren. Womöglich habe es sich dabei um einen Testlauf für einen Terroranschlag gehandelt.

Vor einer Woche waren aus dem Jemen nach Chicago abgeschickte Pakete mit funktionsfähigen Sprengsätzen in Frachtmaschinen auf dem mittelenglischen Flughafen East Midlands und in Dubai entdeckt worden. Eines davon war zuvor auf dem Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden. Die Pakete waren an jüdische Einrichtungen in Chicago adressiert. Sie enthielten Druckerpatronen, in denen der Sprengstoff PETN versteckt war. Für die Paketbomben übernahm El Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) die Verantwortung. Das teilte das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE am Freitag mit.

(AFP)