Streitgespräch: Deutsch im Grundgesetz? Ein Pro und Contra

Streitgespräch: Deutsch im Grundgesetz? Ein Pro und Contra

Düsseldorf (RPO). Die Mehrheit in der CDU möchte die deutsche Sprache im Grundgesetz verankern. Für Verwaltung und Rechtssprechung ist Deutsch festgelegt. Braucht die deutsche Sprache zusätzlich den Schutz des Grundgesetzes? Eine Frage, die polarisiert. Norbert Lammert, Bundestagspräsident, und Armin Laschet, NRW-Familienminister, melden sich mit Pro und Contra zu Wort.

PRO

von Bundestagspräsident Norbert Lammert:

"Da ich das Thema damals mit in die öffentliche Diskussion eingeführt habe, freue ich mich natürlich sehr darüber, dass sich der Bundesparteitag der CDU mit großer Mehrheit meiner Meinung angeschlossen hat. Die zum Teil aufgeregte Kritik daran finde ich, freundlich formuliert, eher erstaunlich.

Üblicher Verfassungsstandard

Sprache erstrangig

Der damalige Anlass meiner Initiative war die erste Föderalismusreform, die zu gleich zwei Dutzend Grundgesetzänderungen führte. Die Landessprache gehört für mich zwar nicht zu den Dingen, die ganz dringend im Grundgesetz geregelt sein müssen. Aber wenn ich mir anschaue, was wir alles neu in die Verfassung schreiben, dann finde ich keine überzeugende Begründung dafür, warum wir manches Nachrangige ins Grundgesetz aufnehmen, Erstrangiges aber auslassen.

Kulturelle Identität

CONTRA

  • Debatte : Deutsch ins Grundgesetz? Union ist tief gespalten

NRW-Familienminister Armin Laschet:

Schon die Benennung der Hauptstadt Berlin war überflüssig. Unser Grundgesetz ist die beste Verfassung der Welt, weil es so prägnant, klar und verbindlich und ohne überflüssige Lyrik vor bald 60 Jahren verfasst wurde. Auch andere wünschenswerte Ziele wie die Kultur oder die Bedeutung des Sports, die Kinderrechte oder die Rechte von Senioren gehören nicht in unsere Verfassung.

Zu viele Fremdwörter

Mehr Sprachförderung

Immer weniger Menschen sprechen gutes Deutsch. Ich wünsche mir, dass Kindern wieder mehr vorgelesen wird und Eltern stärker auf ein gutes Deutsch achten. Dass auch deutsche Kinder immer häufiger zusätzliche Sprachförderung brauchen, ist ein alarmierendes Signal für den Zustand unserer Sprache und unseres Sprachgebrauchs.

Schlüssel zur Integration

Mehr Deutsch in der EU

Deutsch ist gemeinsam mit 22 anderen Sprachen bereits Amtssprache der Europäischen Union. Es ist auch eine von drei Arbeitssprachen der EU-Kommission. Das heißt, sie wird bei internen Verfahren und Beschlussfassungen verwendet, wenn auch nicht immer konsequent. Nur die Kerndokumente werden in alle Amtssprachen übersetzt. In der Praxis bedeutet das, dass die nicht zum Kerndokument zählenden Anhänge etc. fast ausschließlich in Englisch gefasst sind. Wir brauchen mehr Deutsch in der Europäischen Union. Wie anders als auch durch Sprache soll sich Kultur artikulieren?

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