"Non": Deshalb ist die EU-Verfassung in Frankreich gescheitert

"Non" : Deshalb ist die EU-Verfassung in Frankreich gescheitert

Paris (rpo). Bundeskanzler Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac wollen sich am 10. Juni in Südfrankreich treffen, um über die Folgen des gescheiterten EU-Referendums zu beraten. Aus Frankreich kommen unterdessen erste Analysen über die Gründe des Scheiterns. Ganz oben der Liste: Die Angst vor steigender Arbeitslosigkeit.

Paris (rpo). Bundeskanzler Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac wollen sich am 10. Juni in Südfrankreich treffen, um über die Folgen des gescheiterten EU-Referendums zu beraten. Aus Frankreich kommen unterdessen erste Analysen über die Gründe des Scheiterns. Ganz oben der Liste: Die Angst vor steigender Arbeitslosigkeit.

Laut einer am Montag veröffentlichten TNS-Sofres-Umfrage für "Le Monde" erklärten 46 Prozent der Verfassungsgegner, der Vertrag werde zu höherer Erwerbslosigkeit in Frankreich führen.

Zwei Fünftel erklärten, sie hätten mit dem Nein allgemein ihre "Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation" zum Ausdruck bringen wollen. 35 Prozent hofften, mit der Ablehnung der Verfassung Nachverhandlungen zu erzwingen, 34 Prozent bezeichneten das Vertragswerk als "zu liberal", ebenso viele als "sehr schwer verständlich".

80 Prozent der Verfassungsgegner erklärten, das Nein werde weder die Position Frankreichs in Europa noch den europäischen Einigungsprozess schwächen.

"Soziale Protestwahl"

Der Direktor des Meinungsforschungsinstituts CSA, Roland Cayrol, sprach in einem Interview mit der Zeitung "Le Parisien" von einer sozialen Protestwahl. Drei Viertel der Arbeiter, zwei Drittel der Angestellten und eine Mehrheit der Handwerker hätten Nein zur französischen Regierung und den europäischen Entscheidungsträgern in Brüssel gesagt.

Die Linke habe den Verfassungsgegnern zum Sieg verholfen. 52 Prozent der Anhänger der Sozialistischen Partei, 61 Prozent der Grünen und 92 Prozent der Anhänger der Kommunisten hätten die Verfassung abgelehnt. Sie hätten nicht noch einmal - wie schon bei der Präsidentschaftswahl 2002 - für Staatspräsident Jacques Chirac stimmen wollen, sagte Cayrol. Danach hätten sie das Gefühl gehabt, dass dies nichts gebracht habe. Im Mai 2002 hatten alle demokratischen Parteien in Frankreich Chirac in der Stichwahl gegen den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen unterstützt.

Insgesamt lehnten am Sonntag 54,9 Prozent der Franzosen die Verfassung ab. Nur in vier der 22 Regionen überwogen die Ja-Stimmen: im Elsass (53,4 Prozent), der Hauptstadtregion Ile-de-France (54 Prozent) sowie in Westfrankreich, nämlich in der Bretagne (50,9 Prozent) und Pays-de-la-Loire (50,1 Prozent). Am niedrigsten lag die Zustimmung in der ländlich geprägten Region Picardie in Nordfrankreich (35,0 Prozent) und im Nord-Pas-de-Calais (35,1 Prozent), wo nach dem Sterben der Schwerindustrie hohe Arbeitslosigkeit herrscht.

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(ap)
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