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25 Jahre danach: Der Tag des Mauerfalls als Mahnung

25 Jahre danach : Der Tag des Mauerfalls als Mahnung

Niemals war der Wert der Freiheit anschaulicher als an jenem Donnerstagabend im November 1989. Hunderte DDR-Bürger mit Freudentränen im Gesicht liefen, ja rannten an dem hochgezogenen Schlagbaum an der Bornholmer Straße vorbei gen Westen. Es war die Geburtsstunde einer neuen deutschen Identität. Der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung war sogar stärker als ein Regime, das für seinen Machterhalt tötet.

Die Stasi mag Millionen unbescholtener Bürger abgehört, überwacht und drangsaliert haben. Ihren Willen konnte sie nie beugen. Diese friedliche Revolution, dieser über Jahrzehnte geführte Kampf der Bürger gegen ein menschenverachtendes Regime, das sich heuchlerisch als demokratische Republik bezeichnete, ist wahrhaftig gelungen. Wenn das kein Grund zu einer großen Feier ist!

Hinzu kommt: 25 Jahre nach dem Mauerfall ist auch die Mauer in den Köpfen der Deutschen zerbröselt. Der Osten holt wirtschaftlich auf. Junge Menschen aus dem Bundesgebiet studieren in Dresden oder Ilmenau, nicht "im Osten". Kulturzentren wie Weimar und Leipzig ziehen weltweit Touristen an. Regionen wie Chemnitz und Halle finden ihre Nische auf dem Weltmarkt. Ein neues Selbstbewusstsein der Sachsen, Thüringer oder Mecklenburger macht die deutsche Einheit lebendig.

Wir sollten das jährliche Gedenken an den Tag des Mauerfalls aber vor allem zur Aufklärung und als Mahnung nutzen. Die Mauer konnte nur fallen, weil es sie gab. Wir müssen uns erinnern an ein Regime der Unterdrückung und der Gewalt. Die Verharmlosung und Verniedlichung der DDR ist ein gewaltiges Problem, das sich in der Logik der Demografie jedes Jahr verstärkt. Je mehr Zeit vergeht, desto verklärter wird der Blick. Dagegen müssen sich alle aufrechten Demokraten stellen. Das Wissen der jungen Ostdeutschen über die DDR ist erschreckend. Die Nostalgie ist tief verankert in Parteien und Regierungsämtern (demnächst vielleicht sogar im Amt eines Ministerpräsidenten).

Natürlich war die DDR ein Unrechtsstaat. Die Abwesenheit einer unabhängigen Gerichtsbarkeit macht sie genau dazu. Wer sich gegen den Führungsanspruch der SED-Kader verwahrte, wurde gnadenlos aus der Gesellschaft gedrängt oder eingesperrt. Wer die Republik verlassen wollte, durfte erschossen werden. Auf den Schulhöfen wurden Jugendliche gemobbt, geschnitten und ausgegrenzt, wenn sie sich der FDJ verweigerten. Schon ein Witz über Honecker konnte Karriereträume für immer zerplatzen lassen. Unrechtsstaat? Was für ein Euphemismus!

Gut also, dass der Tag des Mauerfalls uns jedes Jahr erneut die Gelegenheit gibt, zu erklären, was vor dem Mauerfall war. Dass die SED-Nachfolgepartei Die Linke dabei besonders in die Kritik genommen werden muss, ist zwingend. Man muss nicht die Tonalität eines Wolf Biermann anschlagen, um die mangelnde Aufarbeitung der eigenen Geschichte in der Linkspartei anzuprangern. Wer gesehen hat, wie lümmelnd und nörgelnd Gysi & Co. im Bundestag auf die Einlage des Diktatur-Kritikers Biermann reagierten, weiß: Die Linkspartei hat nichts gelernt.

Hier geht es zur Infostrecke: So erlebten unsere Leser den Mauerfall