Lammert und Voßkuhle: Der Querkopf und der Teamplayer

Lammert und Voßkuhle : Der Querkopf und der Teamplayer

Zwei Favoriten haben sich nach Informationen unserer Redaktion bei Schwarz-Gelb für die Wulff-Nachfolge herauskristallisiert: Bundestagspräsident Norbert Lammert und Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Während Lammert als manchmal unbequemer Kopf gilt, hat sich der Teamplayer Voßkuhle schon in jungen Jahren eine beeindruckende Karriere hingelegt.

Lammert und Voßkuhle - diese beiden Namen sollen nach Informationen unserer Redaktion aus Koalitionskreisen auf einer Liste der Parteivorsitzenden der Koalition stehen, die am Samstagnachmittag mit den Spitzen von SPD und Grünen beraten werden soll.

Beide Namen waren bereits am Freitag als mögliche Nachfolger des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff gehandelt worden. Nun stehen sie ganz oben auf der Kandidatenliste.

Der derzeitige Bundestagspräsident Lammert gilt in der CDU als unabhängiger und manchmal unbequemer Kopf. Der 63 Jahre alte promovierte Sozialwissenschaftler aus Bochum wird als geschliffener und oft humoriger Redner geschätzt. Bereits 2010 wurde ihm ein Interesse an dem Präsidentenamt nachgesagt. Anfang Januar sagte er aber in einem Interview, er wolle diesen Posten nicht. Ob sich das diesmal anders verhält, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Voßkuhle ist erst seit seit März 2010 Präsident des Bundesverfassungsgerichts - und zwar der jüngste seit Bestehen des Hauses. Würde er zum Bundespräsidenten gewählt, wäre er auch dort der jüngste im Amt. Doch überraschende Karrieresprünge gehören zum Lebenslauf Voßkuhles immer dazu.

Voßkuhle gilt als menschlich bescheiden

Der heutige Präsident des Bundesverfassungsgerichts wurde mit 35 Jahren jüngster Staatsrechts-Professor in Freiburg. Mit 36 avancierte der Jurist, dessen Fähigkeiten sein Doktorvater noch heute schwärmt, zum jüngsten Dekan der Juristischen Fakultät; mit 44 war Voßkuhle jüngster Rektor seiner Universität.

Der gebürtige Detmolder war erst wenige Wochen Rektor der Uni Freiburg, als er 2008 zum Verfassungsrichter und zugleich zum Vizepräsidenten und Vorsitzenden des Zweiten Senats gewählt wurde - übrigens auf Vorschlag der SPD. Dementsprechend wäre es durchaus möglich, dass die Sozialdemokraten diesen Kandidaten mittragen könnten.

Der lachende Dritte

Voßkuhle hat sich das politische Gezerre um die Nachfolge des Vize-Präsidenten am Bundesverfassungsgericht genügsam aus dem schönen Freiburg angeschaut. Zwei Kandidaten zog die SPD im Streit mit der Union zurück, dann war er der lachende Dritter.

Der 48-Jährige hat als Gerichtspräsident schnell an Statur gewonnen und gilt als "exzellenter Jurist", der ausgleichend in den internen Verhandlungen des Senats wirkt. Persönlich beschreiben ihn Bekannte als offen, zugänglich und urteilskräftig - nicht die schlechteste Qualifikationen für ein Staatsoberhaupt.

Familie und Bildung"

Umstrittene Meinungen zu Folter oder Stammzellforschung sind von dem parteilosen Jungstar unter Deutschlands Staatsrechtlern nicht bekannt. Er steht für einen aufgeklärten, fürsorgenden Rechtsstaat. "Familie und Bildung" bezeichnet er als Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenhält. Ein "Freund des Spiels der freien Kräfte" sei er nicht. Der Staat habe eine Verantwortung für "soziale Gerechtigkeit".

Voßkuhle gilt als fachlich kompetent und menschlich bescheiden. Bei den Studenten der Universität Freiburg war der Professor beliebt, im Kollegenkreis gilt er als "absoluter Teamspieler". Politische Erfahrung holte sich der SPD-Kandidat ausgerechnet im CSU-Land Bayern. 1995 arbeitete Voßkuhle als Referent unter dem heutigen CSU-Ministerpräsidenten Günther Beckstein im Innenministerium.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundespräsident: Diese Kandidaten wurden gehandelt

(das)