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Unterteilung von Fluggästen in Risikogruppen: Der Preis der Sicherheit

Unterteilung von Fluggästen in Risikogruppen : Der Preis der Sicherheit

Düsseldorf/Berlin (RP). Beim "Profiling" werden Flughafen-Passagiere in Risikogruppen unterteilt. Die Befürworter setzen auf höhere Sicherheit bei geringerem Aufwand. Die Gegner fürchten um die Sicherheit der Daten.

Als der designierte Flughafen-Verbandschef Christoph Blume im Interview mit unserer Redaktion die Aufteilung von Passagieren in unterschiedliche Risikogruppen vorschlug, löste er damit eine Debatte über die Angemessenheit von Maßnahmen zur Terror-Abwehr aus. Neben spontanen Befürwortern des Vorschlages meldete sich auch eine breite Front von Gegnern zu Wort, die im sogenannten "Profiling" die Diskriminierung von Personengruppen und eine Gefahr für den Datenschutz sieht.

Vergleich mit Körperscannern

Die teilweise sehr engagiert geführte Debatte erinnert an die ersten Reaktionen auf die damals noch weitgehend unbekannten Körperscanner vor gut einem Jahr, mit denen inzwischen Passagiere an Flughäfen in ganz Europa routinemäßig durchleuchtet werden. Zunächst als gesundheitsschädliche "Nacktscanner" verschrien, haben die Vorteile dieser röntgenähnlichen Technologie für die Flugsicherheit inzwischen auch die meisten Kritiker überzeugt.

Derzeit wird ihr Einsatz in Deutschland ganz offiziell in einem Modellversuch in Hamburg getestet. Die meisten Experten rechnen damit, dass Körperscanner auch an deutschen Flughäfen schon bald die Regel sein werden.

Vorgehen in Israel

In Israel wird das "Profiling" schon seit Jahren angewendet. Der Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv gilt seither als der sicherste Flughafen der Welt. Dort werden die Passagiere anhand von ausgefeilten Kriterien in unterschiedliche Risiko-Klassen unterteilt und entsprechend unterschiedlich intensiv kontrolliert.

Der genaue Kriterienkatalog ist geheim. Als sicher gilt, dass ethnische Herkunft, Religion sowie Alter und Lebenssituation des Passagiers von der Flugsicherheit ausgewertet werden. Auch wer sein Ticket in bar bezahlt hat und für seinen Zielort weder ein Hotel noch den Zweck seiner Reise angeben kann, muss mit schärferen Kontrollen rechnen. Befürworter des "Profilings" sehen darin eine Chance, den Kontrollaufwand für den Großteil der Passagiere klein zu halten, ohne dass die Sicherheit darunter leidet.

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, hatte gestern kein Verständnis für die breite Ablehnung des Vorschlages. "Bei der Frachtkontrolle ist die Unterteilung der Sendungen in Risikoklassen längst üblich", sagte Wendt. Man dürfe sich nicht von Datenschützern blockieren lassen, "für die es schon ein Problem ist, wenn ein Polizist einen Notizblock zückt".

CSU-Innenpolitiker Norbert Geis nannte die Idee "sehr problematisch". Passagiere dürften nicht aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden. Auch FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring äußerte sich ablehnend. "Das passt nicht in die Sicherheitsphilosophie unserer Flughäfen", sagte Döring.

Hier geht es zur Infostrecke: Profiling am Flughafen? Das sagen die Leser

(RP)