Thomas Kreuzer bekommt CSU-Fraktionsvorsitz: Der lachende Dritte mit dröhnendem Bass

Thomas Kreuzer bekommt CSU-Fraktionsvorsitz : Der lachende Dritte mit dröhnendem Bass

Ursprünglich gab es um den Vorsitz der CSU-Landtagsfraktion ein Duell zwischen Markus Söder und Ilse Aigner. Dies endete nun mit einem lachenden Dritten: Thomas Kreuzer wird die von CSU-Chef Horst Seehofer als "Herzkammer" der CSU geadelte Fraktion führen. Für Seehofer ist die von ihm selbst vorgeschlagene Wahl ein Erfolg: Kreuzer ist ihm treu verbunden, der neue Fraktionschef wird Seehofer die Macht nicht streitig machen.

Kreuzer ist nicht einfach ein Kompromisskandidat, mit dem Seehofer die Auseinandersetzung zwischen den um seine Nachfolge buhlenden Söder und Aigner vorerst entschärfte. Er ist auch in der Fraktion äußerst beliebt, wie sein Wahlergebnis belegt. 98 Prozent der Stimmen erhielt Kreuzer. Nur zwei Abgeordnete aus der insgesamt 101 Parlamentarier starken Fraktion stimmten gegen ihn. "Der Thomas ist bei allen anerkannt", sagt einer aus der Fraktionsspitze.

Bei dem außerhalb Bayerns weitgehend unbekannten 54-Jährigen ist das Auffälligste seine Stimme. Mit extrem tiefem, dröhnenden Bass lenkt Kreuzer bei Gesprächen die Aufmerksamkeit schnell auf sich. Diese Gespräche führt er meist unaufgeregt, der Schwabe strahlt wie sein Chef Seehofer eine stoische Ruhe aus.

Geboren und aufgewachsen in Kempten

Kreuzer kam am 23. Mai 1959 in Kempten im Allgäu zur Welt, die Stadt ist bis heute Lebensmittelpunkt des geschiedenen Vaters eines Sohnes. Der Jurist verbrachte dort auch die Anfänge seiner Berufslaufbahn. Nach dem zweiten Staatsexamen war er ab 1987 zunächst Staatsanwalt und danach Richter am Kemptener Landgericht. Die Richterrobe hängte er mit seiner Wahl in den Landtag im Jahr 1994 an den Nagel.

In der CSU diente Kreuzer sich langsam hoch. 2003 wurde er stellvertretender Fraktionschef, 2008 parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Durch diese Funktionen kennt er die Abläufe in der Fraktion aus dem Effeff. Als Seehofer 2011 sein Kabinett umbilden musste, wechselte Kreuzer in die Regierung. Zunächst für acht Monate als Staatssekretär im Kultusministerium. Danach als Chef der Staatskanzlei.

Effektiv und geräuschlos arbeitete Kreuzer in dieser Funktion dem Ministerpräsidenten zu. Besonders seine Arbeit in der Verwandtenaffäre, welche die CSU im Frühjahr in schwere Bedrängnis brachte, wird intern viel gelobt. Sein Talent als Krisenmanager zeigte Kreuzer schon zu Beginn der abgelaufenen Legislaturperiode, als er den Vorsitz im Landtagsuntersuchungsausschuss zum Milliardendesaster der Bayerischen Landesbank hatte.

Doch Seehofer wählte Kreuzer nicht als Krisenmanager aus, die CSU fühlt sich mit der zurückeroberten absoluten Mehrheit wieder so stark wie früher. Er benötigt schlicht einen loyalen Vertrauten auf diesem Schlüsselposten: Denn Seehofer, der 2018 in den Ruhestand wechseln will, weiß, dass er zwingend auf die Fraktion angewiesen ist.

Fürchtet Seehofer vorab abgesägt zu werden?

In den vergangenen Jahrzehnten stürzte die CSU alle ihrer Ministerpräsidenten, oft war die Fraktion die treibende Kraft. Wegen seines angekündigten Ausscheidens muss auch Seehofer fürchten, bereits vor der anstehenden Wahl von einem der möglichen Nachfolger abgesägt zu werden.

Die Wahl Kreuzers könnte da ein geschickter Schachzug gewesen sein. Aus der Fraktion droht Seehofer damit viel weniger Gefahr, Kreuzer hat keine eigenen Ambitionen auf das Ministerpräsidentenamt oder den CSU-Vorsitz.

Söder und Aigner als Favoriten für seine Nachfolge kann Seehofer wiederum in die Kabinettsdisziplin einbinden. Der Ministerpräsident will den beiden offenbar Superministerien zuschneiden: Für Söder ein gestärktes Finanzressort, für Aigner ein mit der Verantwortung für die Energiewende ebenfalls gestärktes Wirtschaftsressort. Sollten sich auch diese Münchner Gerüchte bewahrheiten, würde es neben Kreuzer als dem lachenden Dritten zwei weitere Gewinner bei Seehofers Personalspielen geben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Eindrücke vom Landesgruppen-Treffen der CSU

(AFP)
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