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Wikileaks-Dokumente: Der FDP-Maulwurf verrät sich

Wikileaks-Dokumente : Der FDP-Maulwurf verrät sich

Berlin (RPO). Das Geheimnis um den Maulwurf in den Reihen der FDP ist gelüftet. Der Informant, der den Amerikanern Einzelheiten aus den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen verraten hat, offenbarte sich der Parteispitze.

Die FDP hat nach hausinternen Befragungen den Informanten der US-Botschaft in ihren Reihen ausfindig gemacht. Parteisprecher Wulf Oehme erklärte am Donnerstag in Berlin, dass der Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle "seine Gesprächskontakte" zur diplomatischen Vertretung in Berlin offenbart habe.

Er sei "im gegenseitigen Einvernehmen von seiner bisherigen Funktion als Büroleiter" entbunden worden. Den Posten hatte der 41-jährige Helmut Metzner inne. Er war zugleich Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen.

Durch die am Wochenende bei Wikileaks veröffentlichten Kabelberichte von US-Diplomaten nach Washington war bekanntgeworden, dass ein FDP-Maulwurf die amerikanischen Botschaft in Berlin mit vertraulichen Dokumenten aus den Koalitionsverhandlungen versorgt hat.

Der Informant soll vom amerikanischen Botschafter Philip Murphy als junger, aufstrebender FDP-Mitarbeiter beschrieben worden sein, der gerne auch aus seinen persönlichen Gesprächsnotizen vorgelesen habe. Zum Zeitpunkt der Koalitionsverhandlungen war er laut "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Thomas-Dehler-Haus der FDP Leiter der Abteilung "Strategie und Kampagne".

Rechtlich nicht angreifbar

FDP-Sprecher Wulf Oehme erklärte in Berlin, es habe sich bei Gesprächen mit verschiedenen Mitarbeitern ein Mitarbeiter offenbart, der "auf Bitten der Botschaft in eigener Verantwortung und im Rahmen seiner Tätigkeit wie zahlreiche Mitarbeiter anderer Parteien auch mit der US-Botschaft im Gesprächskontakt stand und frei zugängliche Auskünfte erteilte". Dieser habe den "entstandenen Eindruck eines außergewöhnlichen Kontaktes" bedauert.

Oehme sagte, der "für die internationalen Kontakte zuständige Mitarbeiter der FDP-Bundesgeschäftsstelle" habe auf Bitten der Botschaft in eigener Verantwortung und im Rahmen seiner Tätigkeit "wie zahlreiche Mitarbeiter anderer Parteien auch" mit der US-Botschaft im Gesprächskontakt gestanden und frei zugängliche Auskünfte erteilt.

Es seien keine vertraulichen Dokumente übergeben oder zur Einsicht gewährt worden. Der in der Medienberichterstattung entstandene Eindruck eines außergewöhnlichen Kontaktes sei von dem betreffenden Mitarbeiter ausdrücklich bedauert worden. "Für ein rechtlich angreifbares Verhalten gibt es keinerlei Anhaltspunkte."

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Am Montag hatte Westerwelle bei einer Pressekonferenz auf die Frage nach einem Informanten aus den eigenen Reihen noch erklärt: "Ich glaube an solche Geschichten nicht". Er hätte "unverändert ganz großes Vertrauen in die gesamte Mitarbeiterschaft der FDP, erst recht in diejenigen, die bei den Koalitionsverhandlungen dabei gewesen sind".

Die Bewertungen seiner Person durch die US-Botschaft tat der FDP-Chef und Außenminister als "nicht wichtig" ab. Laut Wikileaks war Westerwelle unter anderem als "eitel" und "inkompetent" beschrieben worden.

Wikileaks hatte am Sonntag rund 250.000 teils vertrauliche Dokumente des US-Außenministeriums ins Internet gestellt. Darin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter anderem als risikoscheu und wenig kreativ beschrieben, Westerwelle als eitel und überschäumend, CSU-Chef Horst Seehofer als unberechenbar. Einige Informationen und Einschätzungen sollen der Botschaft von dem FDP-Politiker geliefert worden sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Was in den Wikileaks-Dokumenten über die Politiker der Welt steht

(csr/afp/DAPD)