Widersprüche Ist Habecks Wärmepumpenplan jetzt erfolgreich oder nicht?

Berlin · Die Wärmepumpe ist nach dem vergeigten Heizungsgesetz in Verruf geraten. Nun beobachtet Wirtschaftsminister Habeck einen großen Andrang auf die neue Förderung für den Heizungstausch und rechnet mit weiter steigenden Anträgen. Das deckt sich nicht mit der Einschätzung der Branche.

Vor einem Wohngebäude ist im Garten eine Wärmepumpe zum Heizen des Gebäudes in Betrieb (Symbolbild).

Vor einem Wohngebäude ist im Garten eine Wärmepumpe zum Heizen des Gebäudes in Betrieb (Symbolbild).

Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Die Wärmepumpe ist zum Reizthema geworden. In der Debatte rund um das Heizungsgesetz wurde sie als vom Staat aufgezwungene Heizungsform dargestellt und die irreführende Erzählung verbreitet, alte fossile Heizungen würden auf einen Schlag verboten. Nichts davon stimmte. Seit Anfang des Jahres ist das sogenannte Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft, seit Ende Februar können die ersten Förderanträge für den Heizungsaustausch gestellt werden. Doch Fälle von zwangsweise verordneten Wärmepumpen sind bisher nicht bekannt.

Dennoch gehen die Darstellungen stark auseinander: Während die Heizungsbranche von einem eingebrochenen Absatz bei den Wärmepumpen berichtet, beobachtet das Wirtschaftsministerium einen hohen Andrang. „Die Förderung insbesondere auch für die Wärmepumpe wird mehr und mehr angenommen“, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unserer Redaktion. Zum 30. April hätten 21.000 Antragsteller eine Förderzusage erhalten, was einem Fördervolumen von 300 Millionen Euro entspreche, teilte eine Ministeriumssprecherin mit.

Die Förderung setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Dazu gehört eine Grundförderung von 30 Prozent der Kosten für die neue Heizung und ein Geschwindigkeitsbonus von 20 Prozent für alle, die bis Ende 2028 auf klimafreundliches Heizen umsteigen. Wenn das zu versteuernde Haushaltseinkommen nicht mehr als 40.000 Euro beträgt, kann zusätzlich ein einkommensabhängiger Bonus von 30 Prozent gewährt werden. Die Zuschüsse können kombiniert werden, sodass bis zu 70 Prozent der Kosten gefördert werden.

Habeck sieht darin ein erfolgversprechendes Konzept. „Die Antragszahlen sind im April noch einmal klar gestiegen. Alle Anträge bisher konnten sofort beschieden werden und die Antragstellerinnen und Antragsteller hatten innerhalb von Minuten die Gewissheit, dass ihre neue Heizung gefördert werden kann“, sagte der Grünen-Politiker. Die Förderung sei so umfangreich und für alle Einkommensschichten wie nicht zuvor in dieser Form. Wer eine klimafreundliche Heizung einbaue, könne dafür eine „umfassende und verbesserte Förderung“ erhalten, so Habeck.

Dazu muss man sagen, dass seit Ende Februar zunächst nur Eigentümer von Einfamilienhäusern gefördert werden, die ihre Häuser selbst bewohnen. Eigentümer von Mehrfamilienhäusern und Wohnungs­eigentümer­gemeinschaften können ab Mai Anträge stellen. Wohnungseigentümer sowie Eigentümer von vermieteten Einfamilien­häusern sind dann ab August am Zug.

Habeck rechnet ab Ende Mai noch einmal mit „einem deutlichen Anstieg“ der Förderantragszahlen. „Ich erwarte auch mit der Erholung der Baukonjunktur eine weiter steigende Nachfrage“, sagte der Grünen-Politiker.

So optimistisch wie der Minister ist die Branche keineswegs. So berichtete der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) vergangene Woche von herben Einbrüchen. Demnach ging der Absatz von Wärmepumpen im ersten Quartal 2024 um 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Das entspreche in absoluten Zahlen 46.000 Geräten. Im gleichen Zeitraum 2023 seien noch 96.500 Wärmepumpen abgesetzt worden. „Der Markt für Heizungsmodernisierung ist aktuell geprägt von einer tiefen Verunsicherung der Verbraucher“, sagte BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt.

Eine ähnliche Einschätzung gibt der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) ab. Zurzeit sei der Markt ziemlich eingebrochen, „weil die Verunsicherung in der Bevölkerung nach dem Gezerre um das GEG und die BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) nach wie vor groß ist“, sagte eine Sprecherin. In diesem Zusammenhang seien – konträr zu den Klimazielen – im ersten Quartal 2024 mehr Ölheizungen verbaut worden als im Vorjahreszeitraum. „Da ist etwas gründlich schiefgelaufen“, so die BWP-Sprecherin. Mittel- bis langfristig sei jedoch davon auszugehen, dass sich erneuerbare Heizungssysteme wie Wärmepumpen im Markt etablieren würden.

Von den Herstellern selbst kommen unterschiedliche Töne. So bedauert der Geschäftsführer von Stiebel Eletron, Kai Schiefelbein, dass die „an sich sehr attraktive Förderung noch nicht die erhoffte Wirkung“ zeige. Die niedrigen Zahlen beim Wärmepumpenabsatz würden die Wärmewende einerseits „gefährden“, und „stellen andererseits die Branche vor extreme Herausforderungen. Als reiner Wärmepumpenhersteller trifft uns die aktuelle Situation natürlich besonders“, sagte Schiefelbein unserer Redaktion.

Die Vaillant Group betont hingegen, dass die seit Januar gültigen Förderbedingungen für den Einbau umweltfreundlicher Heiztechnik im Bestand für Verbraucher „sehr attraktiv“ seien. „Grundsätzlich sollte staatliche Förderung kontinuierlich, verlässlich und transparent sein, um Verbrauchern langfristige Sicherheit bei ihren Investitionsentscheidungen zu geben. Das gilt auch für die Förderung umweltfreundlicher Heiztechnik“, teilte ein Sprecher mit.

Fest steht, dass ohne klimafreundliches Heizen die ökologische Transformation nicht gelingen kann. Denn der Gebäudesektor gehört neben dem Verkehr noch immer zu den Bereichen mit den höchsten Emissionen. Die Bundesregierung hat für das laufende Jahr das Ziel von 500.000 verkauften Wärmepumpen ausgegeben. Der Bundesverband Wärmepumpe rechnet dagegen nur mit 200.000. Es bleibt viel zu tun.