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Flugsicherheit in Deutschland: Deo-Roller in den Müll, Bomben ins Flugzeug

Flugsicherheit in Deutschland : Deo-Roller in den Müll, Bomben ins Flugzeug

Düsseldorf (RPO). Der Kontrast könnte größer kaum sein: Während Flugreisende immer schärfer kontrolliert werden und sich künftig von Körperscannern abtasten lassen müssen, scheint es bei der Paketfracht erhebliche Lücken zu geben. Nach den vereitelten Anschlägen vom Wochenende drängt die Union auf weitreichende Änderungen. Die Luftfracht-Unternehmen kontern. Der bisherige Schutz sei "robust".

Düsseldorf (RPO). Der Kontrast könnte größer kaum sein: Während Flugreisende immer schärfer kontrolliert werden und sich künftig von Körperscannern abtasten lassen müssen, scheint es bei der Paketfracht erhebliche Lücken zu geben. Nach den vereitelten Anschlägen vom Wochenende drängt die Union auf weitreichende Änderungen. Die Luftfracht-Unternehmen kontern. Der bisherige Schutz sei "robust".

Seit den Anschlägen vom 11. September hat sich die Welt für Flugreisende verändert. Trinkflaschen, Nagelscheren, Zahnpasta, Deo-Roller oder Mundwasser dürfen Reisende nicht mehr an Bord eines Flugzeuges nehmen. In den meisten Fällen wandern die Produkte gleich am Schalter in den Müll.

Millionen Reisende müssen ihre Schuhe bei der Kontrolle ausziehen. Schließlich könnte sich in der Sohle eine Waffe befinden. Gürtelschnallen werden auf versteckte Messer durchsucht. Seit Ende September läuft am Hamburger Flughafen ein Praxistest mit umstrittenen Körperscannern. Auch an Polizisten, die mit Maschinenpistolen in der Flughafenhalle patroullieren, haben sich die Reisenden gewöhnt.

Unbemerkt verladen

Vor diesem Hintergrund fordert die Union weitreichende Änderungen bei den Sicherheitsmaßnahmen. Innenexperte Hans-Peter Uhl will künftig das Innenministerium für die Kontrollen verantwortlich sehen. "Wir werden nicht umhin kommen, den hohen Standard der Passagierkontrollen auf die Luftfracht auszudehnen", sagt der CSU-Politiker.

Zusammenlegung sinnvoll

CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach fordert zudem, die Kontrolle in die Zuständigkeit der Bundespolizei zu übergeben. Gegenwärtig sei es so, dass bei der Personen- und der Frachtkontrolle zwei verschiedene Bundesbehörden zuständig seien. Eine Zusammenlegung erscheine sinnvoll. Zumal Paketfracht in vielen Fällen auch in Passagiermaschinen auf die Reise geschickt wird.

Die Politik will schnell handeln. In Berlin wurde ein Arbeitsstab gegründet, um Verbesserungen auszuarbeiten. Zur Arbeitsgruppe gehören Vertreter von Innen- und Verkehrsministerium, Auswärtigem Amt, Bundeskanzleramt, Bundeskriminalamt, Bundesnachrichtendienst, Bundespolizei sowie Luftfahrtbundesamt. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte, er werde das Thema kommende Woche im Rat der europäischen Innenminister erörtern.

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Eine erste Maßnahme wurde bereits am Wochenende geschlossen. Frachtgüter aus dem Jemen dürfen nicht mehr nach Deutschland eingeflogen werden. Ein drastischer Schritt, der belegt, dass die Ereignisse vom Wochenende auch den verantwortlichen Stellen einen gehörigen Schrecken eingejagt haben.

(AP/RTR/AFP/csi)