Debatte über die Nationalhymne noch 30 Jahre nach dem Mauerfall

Kommentar zur Debatte : Die Hymne soll die Menschen verbinden

Es gibt Gründe, für eine neue gesamtdeutsche Hymne zu sein. Aber die jetzige steht nicht nur für Tradition, sondern auch für Freiheit und Demokratie.

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow hat wohl geahnt, welches Echo er mit seiner Kritik an der deutschen Nationalhymne auslösen wird. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Hymne von Ost und West wird „nur für empörte Aufmerksamkeit sorgen“, sagte er unserer Redaktion. Er sollte recht behalten.

Obwohl die Deutschen noch immer zurückhaltend beim Bekunden nationaler Gefühle sind, nehmen sie leidenschaftlich an der Debatte teil, ob die jetzige Hymne die richtige für das vereinigte Deutschland sei. Da viele in Ostdeutschland sich mit der Fallersleben-Hymne schwertun, wirft Ramelow zu Recht Fragen auf. Und man muss sagen, Brechts Kinderhymne wäre ein würdiger Text für ein gemeinsames Lied der Deutschen.

Was Ramelow unterschlägt, ist die geschichtliche Dimension. Ursprünglich als Freiheitslied komponiert, wurde die Hymne von den Nazis missbraucht. Aber sie steht auch für die Rückkehr der Demokratie, nicht zuletzt für die Einheit. Während der WM 2006 war sie Ausdruck der Freiheit. Wir sollten an ihr festhalten.

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