Datenklau in großem Ausmaß

Berlin : Der große Datenklau: Hunderte Prominente betroffen

Politiker sprechen von einem Angriff auf das Vertrauen in den Staat. Auch Informationen über Steinmeier, Merkel und Nahles gelangten in die Öffentlichkeit.

Durch einen in Deutschland beispiellosen Datenklau sind persönliche und zum Teil sensible Informationen über hunderte Politiker, Künstler und Journalisten an die Öffentlichkeit gelangt. Einzig die AfD blieb nach Angaben des Bundesinnenministeriums verschont. Die Bundesregierung sprach am Freitag in Berlin von einem „sehr ernsten Vorfall“. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chefin Andrea Nahles sind betroffen, allerdings in geringeren Ausmaß. Hier geht es weitgehend um nicht geheime Dokumente beziehungsweise um Kontaktdaten, die schnell geändert werden können. Einige Politiker legten sich umgehend eine neue Handy-Nummer zu.

TV-Prominente wie Christian Ehring, Jan Böhmermann und Til Schweiger und einzelne Politiker wie den Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh oder den CSU-Abgeordneten Peter Aumer traf es härter. Hier wurden unter anderem offensichtlich familiäre Daten veröffentlicht. Die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz wies aber darauf hin, dass auch gefälschte Informationen im Umlauf seien. Die Regierung mahnte, die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu wahren. Die FDP-Bundestagsfraktion leitete juristische Schritte ein.

Unklar war zunächst, warum keine der Sicherheitsbehörden auf den großangelegten Datenangriff aufmerksam geworden war. Entdeckt wurde das Ausmaß vom RBB-Inforadio am Donnerstagabend. Ein erheblicher Teil der Daten kursierte den Angaben zufolge bereits seit einigen Wochen im Internet. Das Kanzleramt erfuhr erst in der Nacht zum Freitag davon, teilte Fietz mit. Danach wurden das Cyber-Abwehrzentrum, das Bundeskriminalamt und der Bundesverfassungsschutz damit befasst. Auch der Generalbundesanwalt schaltete sich ein.

„Da neben einigen Künstlern und Journalisten überwiegend Politiker aller staatlichen Ebenen - des Europaparlaments, des Bundestages, der Landtage, aber auch kommunale Mandatsträger - betroffen sind, drängt sich bereits jetzt der Verdacht auf, dass dieser Angriff gezielt das Vertrauen in unseren Staat und seine demokratischen Institutionen beschädigen soll“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings (CDU). Der Netz-Experte der Unionsfraktion im Bundestag, Thomas Jarzombek, vermutet den oder die Täter im „AfD-freundlichen Spektrum“. Er sagte: „Es gibt starke Indizien dafür, weil die AfD nicht, aber Grüne und Linke und Journalisten stark betroffen sind.“ Die AfD reagierte auf Anfrage unserer Redaktion zunächst nicht.

Die Seiten mit den Daten waren am Nachmittag nicht mehr im Internet abrufbar. Zuvor waren E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Privatadressen, Passwörter, Namen von Familienmitgliedern, Chatverläufe, Impfpässe, Briefe, Rechnungen und Sprachnachrichten einzusehen. t-online.de berichtete über einen YouTuber, der nach eigenen Angaben Kontakt zu einem Hacker hatte, der als Urheber auszumachen sei und Aufmerksamkeit habe erreichen wollen. Die Informationen waren über einen Twitter-Account  veröffentlicht worden. Der Account wurde inzwischen gesperrt. Krings kündigte Konsequenzen an. Alle zuständigen Behörden arbeiteten mit Hochdruck daran, den „Urheber dieses üblen Angriffs auf die Persönlichkeitsrechte von so vielen Bürgern“ dingfest zu machen. Leitartikel, Politik

(kd)