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Das neue Buch des Armutsforschers Christoph Butterwegge "Die zerrissene Republik" bedient einige Klischees, enthält aber interessante Informationen

Politisches Buch : Das Klischee von der zerrissenen Republik

Das neue Buch des Armutsforschers Christoph Butterwegge "Die zerrissene Republik" ist zwar etwas einseitig, enthält aber interessante Informationen zum wissenschaftlichen Umgang mit ungleichen Wirtschaftsbedingungen und Aufstiegschancen.

Der Kölner Soziologe Christoph Butterwegge zählt zu den führenden Armutsforschern der Bundesrepublik. Sein neuestes Buch widmet sich nun dem großen Thema Ungleichheit in Deutschland. Und sein Befund ist verheerend. Denn die sozioökonomische Ungleichheit breitet sich laut Butterwegge verstärkt auch in der Bundesrepublik aus. „Sie ist bereits im Kindergarten spürbar, prägt das Erwerbsleben der Gesellschaftsmitglieder genauso wie ihre Bildung und Ausbildung, endet aber nicht mir ihrem Tod, macht vielmehr selbst vor dem Begräbnis nicht halt.“

Um es gleich vorwegzunehmen. Butterwegges Buch ist lesenswert. Wie kaum eine andere Neuveröffentlichung auf diesem Gebiet fasst der Kölner Wissenschaftler pointiert und prägnant die Ideengeschichte im Umgang mit der Ungleichheit zusammen, gibt einen historischen Überblick über die deutschen Verhältnisse und beschreibt das gegenwärtige System der „Polarisierung, Prekarisierung und Pauperisierung“ unserer Gesellschaft, bevor er Lösungsmöglichkeiten anbietet.

So verdienstvoll diese Analyse ist, so einseitig ist ihr Tenor. Denn Butterwegge setzt sich nicht mit unterschiedlichen statistischen Ergebnissen auseinander, sondern präsentiert vor allem die Daten, die zu seiner These passen. Die Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung, die Studien des sozioökonomischen Panels SOEP und der IWF sind dafür durchaus passable Quellen, aber nicht die einzigen.

So gelangen die fünf Wirtschaftsweisen in ihrem jüngsten Gutachten zum Ergebnis, dass zwar die Ungleichheit der Markteinkommen in Deutschland seit 1991 angewachsen ist, aber der Sozialstaat, durch den jeder dritte Euro des Bruttoinlandsprodukts geht, die Ungleichheit bei den Nettoeinkommen dämpft. Auch die Vermögensverteilung ist danach nicht ungleicher geworden.

Butterwegge verweist gleichwohl auf die bestehende Ungleichheit der Vermögen, Bildungschancen und der ethnischen Zugehörigkeit. Seine Reformvorschläge (Mindestlohn, Bürgerversicherung) sind moderat. Mit seinen Daten zeichnet er aber eher ein Zerrbild der Wirklichkeit, als dass er die tatsächlichen Zustände in Deutschland beschreibt.

Christoph Butterwegge: Die zerrissene Republik. 2020, Beltz Juventa, 414 S., 24,95 Euro