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Daniel Bahr arbeitet für die Allianz

Ehemaliger Gesundheitsminister : Daniel Bahr arbeitet für die Allianz

Nun also hat auch Daniel Bahr einen neuen Job. Der 37-Jährige war im Herbst 2013 mit seiner Partei, der FDP, aus dem Bundestag geflogen und musste folglich auch als Bundesgesundheitsminister gehen. Jetzt heuert er bei der Privaten Krankenversicherung der Allianz an. Zum 1. November wird er in München Generalbevollmächtigter, später soll er in den Vorstand aufrücken.

Dieses Muster kennen wir von Ronald Pofalla (CDU), dem früheren Kanzleramtsminister, der zur Bahn wechselt. Prompt heulten auch bei Bahr die Sittenwächter von Lobbycontrol auf. Bahr selbst betonte, anders als andere Minister gehe er ja nicht als Lobbyist in die Wirtschaft, sondern kümmere sich um das operative Geschäft. So ist er für den Vertrieb sowie für Verträge mit Ärzten und Kliniken zuständig. Natürlich muss der Münsteraner nach dem Ende in der Politik schlicht Geld verdienen, er hat eine Frau und eine einjährige Tochter. Auch kann man von dem studierten Gesundheitsökonomen kaum verlangen, dass er jetzt ein Internet-Startup gründet. Für Politiker a.D. darf es keine Berufsverbote geben, sonst zieht es noch weniger Menschen in den Bundestag, die weder Lehrer noch Parteisoldaten sind.

Ein Geschmäckle aber bleibt: Bahr geht ausgerechnet zu einem Unternehmen, das von seinem Wirken als Gesundheitsminister besonders profitiert hat: Er schuf den "Pflege-Bahr", die private Zusatzpolice zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Versicherer ködern Kunden damit, dass diese Zuschüsse vom Staat erhalten. Ökonomisch macht der Pflege-Bahr wenig Sinn: viel Bürokratie für wenig Absicherung im Alter. Für die Krankenversicherer ist er gleichwohl ein gutes Geschäft, zumal das Kerngeschäft immer mehr zu kämpfen hat. "Pflegebahr - so bleiben Sie unabhängig im Pflegefall", wirbt die Allianz auf ihrer Internetseite. Wie unabhängig Bahr wohl als Minister war, fragen sich nun manche.

(RP)