DAK-Gesundheitsreport: Jeder zehnte Arbeitnehmer trinkt zu viel

Suchtgefahr : Jeder zehnte Arbeitnehmer trinkt zu viel Alkohol – Männer sind doppelt so oft betroffen wie Frauen

Millionen Erwerbstätige haben Suchtprobleme: Sie trinken und rauchen zu viel oder leiden unter Computerspielsucht. Der Krankenstand der Betroffenen sei mit 7,6 Prozent doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Arbeitnehmer, heißt es im neuen DAK-Gesundheitsreport mit dem Titel „Sucht 4.0“.

Demnach trinkt jeder zehnte Arbeitnehmer zu viel Alkohol. Als suchtgefährdet gilt laut der Krankenkasse bereits, wer als Mann mehr als zwei Gläser Bier à 0,3 Liter, als Frau mehr als ein Glas täglich trinkt und nicht an zwei Tagen in der Woche abstinent bleiben kann. Männer seien häufiger betroffen als Frauen: Unter den männlichen Erwerbstätigen hätten 14 Prozent einen riskanten Alkoholkonsum, unter den Frauen nur knapp sechs Prozent. Basis der Studie war eine Befragung von 5614 Beschäftigten.

Der Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, warnte vor allem vor einer Rückkehr der Nikotinsucht durch E-Zigaretten. So könne man nach einem jahrelangen Rückgang der Raucherzahlen feststellen, dass die E-Zigaretten bei jüngeren Menschen wieder beliebter würden. Storm forderte ein umfassendes Tabakwerbeverbot, das auch für E-Zigaretten gelten solle.

Auch die Computerspielsucht nimmt zu. 44 Prozent aller befragten Arbeitnehmer gab in der DAK-Umfrage an, Computerspiele zu nutzen. Der Anteil unter den jüngeren Erwerbstätigen bis 39 Jahre lag bei deutlich über 60 Prozent. Aber auch unter 60- bis 65-jährigen Arbeitnehmern spielen 42 Prozent am PC. 400.000 Beschäftigte oder ein Prozent seien bereits ernsthaft erkrankt, weitere 6,5 Prozent suchtgefährdet. Erwerbstätige mit Suchtproblematik fehlten öfter und länger am Arbeitsplatz, so die DAK.

Allein das Rauchen ihrer Mitarbeiter koste die deutschen Unternehmen 56 Milliarden Euro im Jahr, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU). „Das ist 2,5 Mal so viel wie der gesamte Umsatz der Tabakindustrie,“ sagte Mortler. Auch der permanente Blick der Mitarbeiter auf ihr Privathandy störe die Konzentration auf die Arbeit. Es sei Aufgabe der Arbeitgeber, hier genauer hinzusehen. „Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern“, sagte Mortler.

Mehr von RP ONLINE