Bei Wahlen zur SPD-Führungsriege hagelt es schlechte Ergebnisse: Dämpfer für Hannelore Kraft, Absturz für Olaf Scholz

Bei Wahlen zur SPD-Führungsriege hagelt es schlechte Ergebnisse : Dämpfer für Hannelore Kraft, Absturz für Olaf Scholz

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat mit 85,6 Prozent Zustimmung bei den Wahlen zu den SPD-Vize-Vorsitzenden einen kräftigen Dämpfer erhalten. Noch vor zwei Jahren glänzte sie mit 97,2 Prozent. Eine echte Abstrafung musste bei dem Leipziger Parteitag Hamburgs Regierender Bürgermeister Olaf Scholz bei seiner Wiederwahl zum Vize-Chef mit nur 67,3 Prozent Zustimmung hinnehmen (2011: 84,9). Nur Torsten Schäfer-Gümbel hatte gut Lachen.

Scholz nahm die Basis offenbar übel, dass er zwischenzeitlich immer wieder Parteichef Sigmar Gabriel öffentlich und intern in Frage gestellt hatte. Schwarmintelligenz: So hatte die Basis Parteichef Gabriel am Donnerstag bei seiner Wiederwahl mit rund 84 Prozent zwar auch einen Dämpfer verpasst, ihn mit dem schwachen Ergebnis für Scholz indirekt aber wieder gestärkt.

Kraft hatte schon eine Vorahnung, dass ihr Wahlergebnis nicht so furios ausfallen wird wie vor zwei Jahren. "Beim letzten Mal hatte ich ein Ergebnis, das Verpflichtung ist", sagte Kraft. Sie hoffe, dass sie die Verpflichtung eingelöst habe. Der Parteitag war offensichtlich anderer Meinung. Während sie vor zwei Jahren als die alle überstrahlende Siegerin vom Feld ging, gaben die Genossen dieses Mal dem Hessen Torsten Schäfer-Gümbel den Vorzug. Er bekam 88,9 Prozent und damit das beste Ergebnis der Stellvertreter-Riege.

Nur 67,2 Prozent für Nahles

Mit dem Wahlergebnis von vor zwei Jahren war Kraft zur starken Frau der SPD aufgestiegen. Sie wurde die Wortführerin der SPD-Ministerpräsidenten. Ohne ihre Zustimmung ging bei den Sozialdemokraten nichts, auch bei der Wahl des Kanzlerkandidaten konnte sie mitsprechen. Während des missglückten Wahlkampfs der SPD hieß es immer wieder, sie wäre die bessere Alternative zu Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat. 2017 könne sie alles werden, wenn sie denn wollte.

Kraft selbst versuchte, in der Öffentlichkeit den Ball flach zu halten, machte ihren Einfluss aber hinter den Kulissen immer wieder geltend, vor allem um die Interessen von NRW zu vertreten. Zuletzt trug ihr das den Spott ein, sie könne nur von Herne nach Bottrop denken. Zumal der Eindruck entstanden war, sie wolle eine Große Koalition verhindern, um für die SPD ein gutes Ergebnis bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2014 zu sichern.

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Sie versprach beim Parteitag in ihrer kurzen Rede, Kurs zu halten und ihr Bestes zu geben. Allerdings machte die Spitzen-Sozialdemoratin, die erst voller Skepsis gegen die Große Koalition war und anschließend auf den Kurs für ein Bündnis mit der Union umschwenkte, keine inhaltlichen Aussagen über diesen Kurs.

Die Ergebnisse für die SPD-Führung fielen insgesamt schwach aus. Die für den Wahlkampf verantwortliche Generalsekretärin Andrea Nahles erhielt nur 67,2 Prozent. Noch weniger als vor zwei Jahren. Da waren es noch 73,2 Prozent. Schatzmeisterin Barbara Hendricks sagte: "So hättet ihr mit Andrea nicht umgehen dürfen." Prompt bekam auch sie mit 79,5 Prozent ein schlechtes Ergebnis (2011: 88,3). Familienexpertin Manuela Schwesig, die als künftige Familienministerin gehandelt wird, kam auf 80,1 Prozent (2011: 82,9).

(qua)
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