Partei gibt sich in Kreuth selbstbewusst: CSU ruft nach Guttenberg

Partei gibt sich in Kreuth selbstbewusst : CSU ruft nach Guttenberg

Die CSU ist bescheiden geworden. Zum Jahresauftakt in Kreuth freut sie sich über einen knappen Vorsprung in einer von zwei Umfragen. Und sie ruft nach ihrem gescheiterten einstigen Star Guttenberg.

Parteichef Horst Seehofer verteilt Küsschen an Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, beide strahlen in die Kameras. Und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt gibt gleich noch die Losung aus: "Die CSU ist stark wie eh und je." Zum Auftakt der Landesgruppenklausur im verschneiten Wildbad Kreuth geben sich die Christsozialen am Mittwoch demonstrativ selbstbewusst.

Der Sturm, der in Berlin über Bundespräsident Christian Wulff hinwegtobt wie der Schneesturm über die Berge von Kreuth - er soll den Optimismus der CSU nicht stören an diesem Tag. Man rede auf der Klausur "nicht über Verfassungsorgane", beteuert Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit Blick auf den schwer unter Beschuss stehenden Bundespräsidenten.

"Man kan nicht gegen die CSU regieren"

Dass Seehofer, Dobrindt und Hasselfeldt in Kreuth gute Laune demonstrieren, hat einen Grund: Pünktlich zur Klausur hat der Bayerische Rundfunk eine neue Umfrage veröffentlicht, in der die CSU bei 44 Prozent liegt.

Die drei Oppositionsparteien SPD, Grüne und Freie Wähler, die die CSU bei der Landtagswahl 2013 nach Jahrzehnten vom bayerischen Regierungsthron stoßen könnten, kommen dagegen zusammen nur auf 43 Prozent. "Man kann feststellen, dass gegen die CSU in Bayern nicht regiert werden kann", freut sich Seehofer.

Auf eine zweite Umfrage, zeitgleich von Sat.1 veröffentlicht, geht er nicht ein. Hier liegt die CSU nur bei 42 Prozent, die anderen drei kommen zusammen auf 43 Prozent. Gleichwohl gesteht Seehofer, dass sich die CSU schon noch gewaltig anstrengen müsse. Und auch Hasselfeldt betont, es gebe für die CSU keinen Grund, sich auszuruhen.

Gefährliche Gemengelage

Denn die beiden Umfragen signalisieren vor allem eines: dass der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, von der SPD zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013 gekürt, Seehofer und der CSU sehr wohl gefährlich werden kann.

Zumal der Regierungspartner FDP im Freistaat im kommenden Jahr an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern droht. Und die Freien Wähler, die sich zwar offiziell noch eine Koalition mit den Christsozialen offenhalten, sind die ständigen CSU-Attacken nun zusehends leid - und drohen schon mit Liebesentzug.

Es ist also nicht mehr so wie früher, als die CSU in Kreuth den bayerischen Löwen nach Belieben brüllen lassen konnte. Auch wenn Seehofer mit seiner neuerlichen Veto-Drohung gegen die Rente mit 67 einige Tage lang die Schlagzeilen beherrscht hat. Zu ungewiss ist, was in den gut eineinhalb Jahren bis zu Bundestags- und Landtagswahl auf die CSU zukommen könnte. Zu gefährlich ist die Gemengelage für die schwarz-gelbe Koalition rund um die Causa Wulff.

Bundesagrarministerin Ilse Aigner gibt sich deshalb mit Blick auf die 44-Prozent-Umfrage zurückhaltender. "Abwarten, wir haben noch zwei Jahre", sagt sie lapidar. Und Euro-Rebell Peter Gauweiler sagt mit Blick auf 2013 warnend: "Das ist ein Kampf aller gegen uns."

Ruf nach Guttenberg

Gauweiler soll, so hat es zuletzt der "Münchner Merkur" geschrieben, im Wahlkampf eine herausgehobene Rolle einnehmen - so jedenfalls der Wunsch von Parteichef Seehofer. Und auf noch einen setzen Seehofer und die CSU wieder starke Hoffnungen: Karl-Theodor zu Guttenberg. Der war in Kreuth vor genau einem Jahr noch der große Star, war mindestens Parteichef in spe, wenn nicht schon der nächste Kanzlerkandidat der Union. Dann aber kam die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit - und plötzlich war er weg.

Jetzt aber wollen sie Guttenberg zurückholen, wollen großzügig über dessen massive CSU-Kritik - festgehalten in Guttenbergs Interview-Buch - hinwegsehen. "Meine und unsere Position ist, dass wir zu gegebener Zeit Karl-Theodor wieder in einer aktiven Rolle der CSU sehen möchten", sagt Seehofer jetzt. "Wir wollen, dass er sich einreiht in unser Team, das sehr, sehr schlagkräftig ist."

Was Seehofer dabei nicht gefallen kann: Der Sat.1-Umfrage zufolge würden nur 19 Prozent der Bayern eine Rückkehr Guttenbergs in die Politik begrüßen - 53 Prozent dagegen nicht. Und der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter warnte bereits, eine "Revitalisierung" Guttenbergs trage personalpolitischen Konfliktstoff in die CSU. "Das wäre meines Erachtens durchaus riskant für die CSU."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Guttenberg mit neuem Look

(dpa)