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Roth: "Ein Dokument der politischen Unkultur": CSU-Gewaltplakat sorgt für Entrüstung

Roth: "Ein Dokument der politischen Unkultur" : CSU-Gewaltplakat sorgt für Entrüstung

München (RPO). Die Münchner CSU muss sich heftige Kritik wegen der Verwendung von Originalbildern einer U-Bahn-Gewalttat für ein Kommunalwahlplakat gefallen lassen. Die stellvertretende bayerische SPD-Chefin Adelheid Rupp forderte den CSU-Oberbürgermeisterkandidaten Josef Schmid zum Rücktritt auf.

Es sei "eine üble Verhöhnung des Opfers, wenn der brutale Überfall in dieser Manier für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert und missbraucht wird".

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth kritisierte, das Plakat sei "in seiner Bildsprache von NPD-Plakaten nicht mehr zu unterscheiden". Die FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nannte das Plakat eine "Selbstanzeige" der CSU. Schließlich trage die Partei selbst seit Jahrzehnten die Verantwortung für die innere Sicherheit im Freistaat.

Roth nannte das Motiv "eines der unanständigsten und widerwärtigsten", das sie bei demokratischen Parteien je gesehen habe. In einem offenen Brief forderte sie CSU-Chef Erwin Huber und Bayerns Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) auf: "Sorgen Sie dafür, dass dieses CSU-Plakat zurückgezogen wird." Es werde schon jetzt "als ein Dokument der politischen Unkultur" in die Geschichte der bundesdeutschen Wahlkämpfe eingehen. "Ängste von Menschen ernst nehmen meint nicht das Schüren von Angst", mahnte Roth.

CSU-Oberbürgermeisterkandidat Schmid sagte, er sei "sehr verwundert" über die Beschwerden. "Was wir zeigen, ist doch nur die Realität. Das sind keine schönen Bilder, aber die Politik darf hier nicht wegschauen", sagte der Herausforderer von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Die Bilder seien schon seit Wochen in allen Medien gezeigt worden. Zudem habe man auf dem Plakat das Opfer selbst durch eine weiße Silhouette ersetzt.

Schmid warnte vor einer "Tabuisierung" des Themas Jugend- und Ausländergewalt. "Serientäter müssen früher in eine geschlossene Einrichtung gesperrt werden, und bei ausländischen Tätern muss es eine schnelle Ausweisung geben", forderte der CSU-Politiker. Der Opferschutz sei wichtiger als die Interessen der Täter.

Das Plakat zeigt die von einer U-Bahn-Überwachungskamera aufgenommenen Bilder vom Überfall zwei jugendlicher Ausländer auf einen 76-jährigen Rentner. Der Mann erlitt dabei einen mehrfachen Schädelbruch. Die Täter befinden sich unter dem Vorwurf des Mordversuchs in Untersuchungshaft.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das umstrittene CSU-Plakat

(afp)