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Coronavirus: Zehn Millionen neue Schutzmaske

Coronavirus : Zehn Millionen neue Schutzmasken

Die Lieferungen gehen unter anderem an Praxen und Stellen für Testabstriche.

Der Hilferuf vieler Ärzte war zuletzt sehr deutlich. In zahlreichen Praxen fehlen Schutzmasken im Kampf gegen das Coronavirus. Mitunter gehen auch Desinfektionsmittel stark zur Neige. So mancher niedergelassene Mediziner sieht seine Existenz bedroht.

Joachim Treppmann leitet das Kompetenzzentrum für ganzheitliche Medizin in Grevenbroich. Er fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. „Ich hätte mir gewünscht, dass man viel früher hingegangen wäre, um das Gesundheitssystem zu stabilisieren“, so der 73-Jährige. Er warnt, dass das Gesundheitssystem kollabieren könnte und viele niedergelassene Ärzte ihre Praxen schließen müssen – auch aufgrund des Materialmangels.

Doch nun deutet sich etwas Entlastung an. Das Bundesgesundheitsministerium gab am Donnerstag zehn Millionen dringend benötigte Atemschutzmasken zur weiteren Verteilung an die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Bundesländer, wie ein Sprecher in Berlin sagte. Die Lieferungen sollen unter anderem an Praxen, Bereitschaftsdienste und Stellen für Testabstriche verteilt werden, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erläuterte. Noch sei die Lage bei der Ausrüstung teils kritisch, sagte KBV-Chef Andreas Gassen: „So langsam laufen die Praxen leer.“ Allerdings sei das Schlimmste mit der aktuellen Lieferung wohl vorbei.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) teilte mit, dass Atemschutzmasken nun auch wieder in Bayern produziert werden: „Wir haben jetzt die Eigenproduktion mit mittelständischen Unternehmen auf den Weg gebracht.“ Spätestens ab nächster Woche solle die Anfertigung starten.

Die Firma Uvex aus Fürth hatte sich bereits vor zwei Wochen entschieden, ihre Restbestände an Atemschutzmasken für Kunden aus dem medizinischen Bereich wie Kliniken oder Arztpraxen zu reservieren. Es handelte sich dabei um mehrere Zehntausend Masken, die mittlerweile auch nahezu ausverkauft sind. „Bei einer Eigenfertigungsquote von 71 Prozent, 43 Prozent in Deutschland, gehört die Produktgruppe Atemschutz bei uvex safety zu den wenigen Bereichen, die nicht selbst in eigenen Werken, sondern zusammen mit Partnern in China gefertigt werden“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Hier sei die Lieferkette momentan unterbrochen, was dazu führe, dass Atemschutz, aber auch Einwegschutzbekleidung nicht verfügbar seien. Deutlich positiver sei die Situation bei Vollsichtschutzbrillen. „Diese wird bei Uvex in Fürth und in Lederdorn gefertigt und in beiden Standorten wurden die Kapazitäten deutlich ausgeweitet. In Fürth wird momentan rund um die Uhr produziert, sogar sonntags.“

Der Kosmetikkonzern Beiersdorf startet derweil die Herstellung von medizinischen Desinfektionsmitteln. Im ersten Schritt werden mindestens 500 Tonnen in den Produktionswerken in Hamburg, Waldheim (Sachsen) und Tres Cantos bei Madrid hergestellt, teilte Beiersdorf mit. In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden sollen die Mittel Institutionen und Berufsgruppen zur Verfügung gestellt werden, die gegen das Coronavirus im Einsatz sind.

Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza bedankte sich bei seinem deutschen Amtskollegen Jens Spahn für eine Lieferung medizinischen Materials. Schon am Mittwoch wurden sieben Tonnen Hilfsgüter von der italienischen Luftwaffe ausgeflogen.