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Coronavirus: Kassenärzte-Chef rechnet mit weiter ansteigenden Infektionen

Coronavirus : Kassenärzte-Chef Gassen rechnet mit weiter ansteigenden Infektionszahlen

Die meisten Infizierten entwickelten aber nur milde Symptome, die Todesrate liege bei lediglich einem Prozent, sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Gesundheitsminister der Länder empfehlen vor allem älteren Mensche, sich jetzt impfen zu lassen.

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus auch in Deutschland hat Kassenärzte-Chef Andreas Gassen die Bürger vor Panik gewarnt. „Wichtig ist, nicht in Panik zu verfallen. Corona ist nicht Ebola“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unserer Redaktion. Gassen zog den Vergleich zur „normalen“ Influenza, bei der es im letzten halben Jahr zu 80.000 bewiesenen Infektionen mit 130 Todesfällen gekommen sei. „Bislang wurde beim Coronavirus eine Todesrate von rund einem Prozent gemessen. Ich vermute, dass sie unter Berücksichtigung aller Infizierten mit und ohne Symptomen geringer ist“, so Gassen. Die meisten Infizierten entwickelten nur milde oft wenig spezifische Symptome. Das leistungsfähige deutsche Gesundheitssystem sei in der Lage, auch eine größere Zahl an Infektionen zu bewältigen, betonte Gassen.

Allerdings ist aus Sicht Gassens der Höhepunkt an Coronavirus-Infektionen in Deutschland noch nicht erreicht. „Ich rechne damit, dass die Zahl der gemeldeten Fälle noch weiter ansteigen wird“, sagte er. Dazu könne man aber keine sicheren Aussagen treffen, weil man nicht wisse, wie viele Infizierte es bereits gebe, die weitgehend ohne Symptome bleiben. „Wir wissen auch nicht abschließend, auf welchen Wegen und wie schnell sich das Virus verbreitet. Auch können wir noch nicht einschätzen, wie gefährlich Corona wirklich ist.“ Entscheidend sei eine gute Abstimmung zwischen allen Ebenen, was auch geschehe.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte am Mittwochabend, die Einschätzung der Lage habe sich „in den letzten Stunden geändert“. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Epidemie an Deutschland vorbeigehen könnte, sei jetzt nicht mehr gegeben. Im Unterschied zu bisher könnten die Infektionsketten in Deutschland nicht mehr vollständig nachvollzogen werden. In einer Telefonschaltkonferenz habe er seine Länderkollegen aufgefordert, die Landespandemiepläne vorzubereiten und in Kraft zu setzen. Darin stehe etwa, wie sich Bürger, medizinisches Personal und weitere Gruppen in den unterschiedlichen Phasen der Epidemie verhalten sollten. Diese Pläne gebe es seit Langem für „Influenza“-Pandemien. Darauf könnten die Länder jetzt zurückgreifen und die Pläne an das Coronavirus anpassen.

Ärzte sollten jetzt Patienten „einmal mehr“ auf das Coronavirus testen, wenn sie über Symptome wie Husten, Fieber oder Atemnot berichten, so Spahn. Am Geld solle das nicht scheitern. Er sagte aber auch: Man solle „nicht hinter jedem Husten eine Corona-Infektion vermuten“. Wer aber innerhalb von 14 Tagen nach einer Reise Husten., Fieber oder Atemnot entwickelt oder mit infizierten Menschen Kontakt gehabt hat, solle sofort zum Arzt gehen. „Wir nehmen das Coronavirus ernst“, sagte Spahn. Derzeit hielten die europäischen Gesundheitsminister Reisebeschränkungen noch nicht für nötig, sagte Spahn.

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder, Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), riet insbesondere älteren Menschen über 60 Jahren und chronisch Kranken, sich gegen Pneumokokken und Keuchhusten impfen zu lassen. „Die Situation ist hochdynamisch. Wir entwickeln unsere Maßnahmen und Empfehlungen stetig weiter und passen sie aktuellen Entwicklungen an“, sagte Kalayci. „Da die Pandemie nach der Entwicklung in Italien auch in Deutschland wahrscheinlicher geworden ist, müssen wir neue Maßnahmen ergreifen, um besonders gefährdete Teile der Bevölkerung zu schützen. Daher empfehlen wir die Impfung gegen Pneumokokken und Keuchhusten für die vulnerablen Gruppen.“

In Nordrhein-Westfalen wurden mittlerweile zwei Corona-Fälle bestätigt. Dabei handelt es sich um ein Ehepaar aus dem Kreis Heinsberg. Es hatte offenbar in den letzten Wochen viele Kontakte zu anderen Menschen. Beide hätten bis in die Karnevalstage hinein „sehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilgenommen“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Das Paar führe ein Geschäft mit mehreren Mitarbeitern, habe zwei schulpflichtige Kinder und habe zudem noch vor Karneval einen Kurzurlaub in den benachbarten Niederlanden gemacht. Die Behörden würden allen Kontakten nachgehen. Auch in Köln, Leverkusen und Moers gibt es laut dem WDR neue Verdachtsfälle.