1. Politik
  2. Deutschland

Corona-Politik: Impfzentren sollen auch nach der Pandemie bleiben

Corona-Politik : Rufe nach Vorkehrungen für künftige Pandemien werden laut

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus will die Impfzentren auf Dauer in Reserve halten, um für künftige Notfälle gerüstet zu sein. Auch in den Reihen von SPD und Grünen hält man weitere Pandemien für möglich und will sich dagegen rüsten. Zugleich wird die aktuelle Situation in den Impfzentren kritisiert.

Der Vorstoß von Unionsfaktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) zu einer dauerhaften Vorhaltung der Impfzentren auch über die Pandemie hinaus findet bei kommunalen Spitzenvertretern Anklang. Die Impfzentren würden noch „ein paar Monate lang“ gebraucht werden, sagte der Präsident des Deutschen Landkreistages (DLT), Reinhard Sager, und unterstützte daher grundsätzlich Brinkhaus’ Stoßrichtung. „Wir sollten die Zentren nicht vorschnell zur Disposition stellen.“ Sager stellte jedoch in Frage, ob diese Infrastruktur, die nur im Notfall gebraucht werde, auch dauerhaft vorgehalten werden solle. „Das sehe ich eher nicht so“, sagte der DLT-Präsident. Denn es sei nicht absehbar, dass sich eine pandemische Ausnahmesituation ähnlichen Ausmaßes in den nächsten Jahren wiederholen werde.

Brinkhaus hatte seinen Vorstoß damit begründet, dass dies nicht die einzige Pandemie gewesen sein wird. Auch wenn die Impfzentren in den nächsten Jahren nicht erneut zum Einsatz kämen, würden sie im Notfall ermöglichen, schnell zu reagieren, hatte Brinkhaus gegenüber unserer Redaktion gesagt. „Diese zusätzliche Infrastruktur ist wichtig, um Handlungsfähigkeit zu behalten.“

Politikerinnen von SPD und Grünen teilten ausdrücklich die Einschätzung, dass in Zukunft weitere Pandemien möglich und Vorkehrungen dafür notwendig sind. „Wie diese Vorbereitung am besten aussieht und welche Lehren wir ziehen müssen, können wir erst in der Rückschau abschließend bewerten. Dabei werden natürlich auch die Erfahrungen, die wir jetzt mit den Impfzentren machen, eine Rolle spielen“, sagte die Vizevorsitzende der SPD-Fraktion, Bärbel Bas. Ähnlich äußerte sich die Berichterstatterin für Infektionsschutz der Grünen-Fraktion, Kordula Schulz-Asche. Bevor man über eine Beibehaltung der Strukturen spreche, müssen mit einer Evaluierung begonnen werden. „Wir müssen dringend Lehren aus der jetzigen Krise ziehen, mit Expertinnen und Experten beraten, was gut und was weniger gut gelaufen ist. Dazu gehört auch eine Evaluierung der gesamten Impfkampagne, denn auch hier läuft vieles holprig“, sagte Schulz-Asche.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erwartet dagegen in den kommenden Wochen eine weitere deutliche Beschleunigung beim Impftempo. „Als Wirtschaftsminister hoffe ich, dass möglichst bald, und zwar schon ab dem 7. Juni, auch die Betriebsärzte impfen können“, sagte Altmaier unserer Redaktion. „Ich erwarte, dass wir innerhalb sehr kurzer Zeit so viele Impfstoff-Lieferungen erhalten, dass wir noch mal einen richtigen Schub beim Impfen bekommen.“ Betriebsärzte und Unternehmen könnten dabei einen wichtigen Beitrag leisten, betonte der Minister. Damit werde die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Corona-Welle deutlich reduziert.

  • Lange Schlangen vor einem Impfzentrum im
    Kampf gegen dritte Corona-Welle : Ärzte halten weiter an Impfpriorisierung fest
  • Vorbereitungen auf unbeschwertere Tage: Die bundesweite
    Unions-Fraktionschef Brinkhaus : „Müssen uns für unbeschwerten Sommer an 10er- oder 20er-Werten orientieren“
  • Corona-Tests in einem Labor (Symbolfoto).
    Einschätzung von Experten : WHO und Länder haben bei Corona zu langsam reagiert

 DLT-Präsident Sager erneuert seine Forderung, die Impfzentren  priorisiert mit Impfstoff zu beliefern. „Die aktuelle Situation ist unbefriedigend, mache Impfzentren müssen tageweise schließen oder sind gezwungen, mangels Impfstoff die Erstimpfungen für mehrere Wochen auszusetzen“, kritisierte er.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) appellierte unterdessen an die Politik, mit der geplanten Aufhebung der Impfpriorisierung keine falschen Erwartungen bei den Bürgern zu wecken. Der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen sagte: „Ankündigungen, ab Montag würden Priorisierungen wegfallen, führen leider dazu, dass viele Menschen denken, jetzt sofort könnten sie sich impfen lassen. Dem ist natürlich mitnichten so.“

In immer mehr Bundesländern wird die Impfpriorisierung in den Arztpraxen aufgehoben. In Bayern und in Baden-Württemberg dürfen ab kommender Woche alle bisher verfügbaren Impfstoffe ohne Rücksicht auf die vorgegebene Reihenfolge beim Arzt verimpft werden. Auch Berlin hebt ab Montag die Priorisierung bei Haus- und Betriebsärzten auf, Sachsen folgt zum 24. Mai.