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Corona-Pandemdie: Kultur trifft Kanzlerin Angela Merkel

Merkel spricht mit Künstlern : „Das ist schon eine traurige Zeit“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Dienstag virtuell mit Künstlern und Kulturschaffenden getroffen - der Gesprächsbedarf ist riesig. Im Gegensatz zur Aktion #allesdichtmachen ist die Not hier sehr konkret.

Wenigstens eine gute Nachricht bringt die Kanzlerin mit: Sie gehe davon aus, dass mit der „aufsteigenden Sonne auch die Impferfolge“ zunehmen werden - auch wenn das vielen augenblicklich noch nicht so viel helfe, räumt die CDU-Politikerin ein.

Angela Merkel trifft sich am Dienstag virtuell mit Künstlern zum „Bürgerdialog“ über deren Lage während der Corona-Pandemie. Die Kanzlerin bekommt den gesammelten Frust von Musikern, Clubbetreibern, Buchhändlern, Schauspielern und Galeristen zu spüren. Die Kulturschaffenden sind sauer,  bedrückt  und niedergeschmettert.

Das Gespräch ist das siebte in diesem Kanzlerinnen-Format. Themen waren bislang etwa die Polizei, Ausbildung, Kita und Schule, Hilfstelefone, Studium und die Pflege. Ein digitales Treffen mit ehrenamtlichen Hilfsorganisationen steht noch bevor. Die Kulturbranche gehört mit zu der am stärksten betroffenen gesellschaftlichen Bereichen, ist sie doch seit einem Jahr so gut wie dicht. 

Sie könne die große Frustration nachvollziehen, sagt die Kanzlerin zu Beginn. „Das ist schon eine traurige Zeit“. Sie bittet, wie immer bei diesen Gesprächen, eindringlich um Verständnis für die Corona-Maßnahmen, rechtfertigt diese und verteidigt sie. Die meisten Künstler stellen diese auch gar nicht in Abrede. Die Betroffene beklagen eher die uneinheitlichen Maßnahmen in den Ländern, das „Sich -Nicht-Verlassen-können“  auf Regelungen. Da rennen sie bei der Kanzlerin offene Türen ein. So verteidigt Merkel auch die „Corona-Notbremse“, die für bundesweit einheitliche Regeln sorge. Bezogen auf mögliche Öffnungen betont die Kanzlerin, bei jedem Öffnungsschritt seien auch Kultureinrichtungen dabei.

 Und sie pariert Fragen nach Hygienekonzepten mit dem Hinweis, dass es etwa bei einem Theaterbesuch nicht nur darum gegangen sei, die Kontakte im Raum nachzuvollziehen:  „Jeder, der sich auf den Weg macht, trifft Menschen“ - da gehe es leider nicht nur um die Veranstaltung als solche.

Der Bürgerdialog krankt etwas daran, dass die Betroffenen jeweils sehr ausführlich ihre eigenen Situation darstellen. Dafür ist das Format einerseits gedacht, andererseits wird immer ein wenig eine „Wünsch-Dir-was“-Sendung daraus.

Doch die Erfahrung der Betroffenen sind teilweise auch sehr ernüchternd. Eine Buchhändlerin aus Germering bei München etwa beschreibt, dass sie in den Lockdowns fünf verschiedene Geschäftskonzepte entwickeln musste und angeboten hat. Mit der Bundesnotbremse ist sie nun wieder ganz geschlossen. „Ich verstehe überhaupt nichts mehr“, sagt sie.

Merkel versucht zu beschwichtigen. „Click and meet“ sei bis zu einer Inzidenz von 150 möglich, argumentiert sie und muss dann doch einräumen, die „letzte schlüssige Antwort“ ob all der unterschiedlichen Regelungen nicht geben zu können. Es gebe „Brüche“ in der Pandemie, sie hoffe sehr, dass das alles bald vorbei sei.

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Ein Jazzclubbetreiber aus Mannheim fürchtet um die Zukunft seiner Branche. Er sehe schwarz, ihm fehle gerade jegliche Perspektive, beschreibt er. Eine Solo-Selbständige kann sich kaum beruhigen, die Zukunft vieler ihrer Kollegen stehe auf dem Spiel, beklagt sie fast weinend. Sie fordert eine Gleichstellung mit abhängig Beschäftigten, die etwa durch Kurzarbeitergeld abgesichert seien. Bei den Kulturhilfen fielen viele Künstlerinnen und Künstler durchs Raster.

Merkel verspricht: Sie werde die Vorschläge mitnehmen und versuchen, Abhilfe zu schaffen. Auch kündigt sie an, dass Unternehmen, die Veranstaltungen für den Herbst planen, eine Sicherheit gegeben werden solle. Es werde darüber nachgedacht, wie eine gewisse Absicherung gegeben werden könne, wenn die Veranstaltungen dann wegen eines möglichen Infektionsgeschehens doch nicht stattfinden könnten.

Die umstrittene  Video-Aktion  #allesdichtmachen namhafter Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich über das Gebaren von Politik und Medien in der Pandemie lustig machten, spielt in dem Gespräch keine nennenswerte Rolle. Die Probleme der Betroffenen hier sind in erster Linie keine gesellschaftspolitischen, sondern vor allem existenzielle, so scheint es.

 Aus dem Bundesarbeitsministerium kommt an diesem Dienstag zumindest eine kleine positive Nachricht: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Bundesmittel für die Künstlersozialkasse weiter erhöhen, um die mit ausfallenden Einnahmen kämpfenden Kultureinrichtungen zu entlasten, teilt er mit. Es ist ein kleines Trostpflaster.

„Ist das ihre Geige da im Hintergrund?“ fragt Merkel eine Musikerin. „Ich hoffe, dass sie bald wieder erklingt.“

(mün)