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Corona: Maskenpflicht bleibt vorerst auch für Geimpfte

Corona : Maskenpflicht bleibt vorerst auch für Geimpfte

Wird es mit jedem Impftag mehr Menschen geben, die auf Maske und Abstand verzichten können? Politik und Experten warnen vor dieser Erwartung: Aus zwei Gründen werde es vorerst auch für sie bei der Maskenpflicht bleiben müssen.

Der Countdown für die ersten Corona-Schutzimpfungen in Deutschland läuft. Ab Monatsende wird sich die Zahl der gegen Corona geimpften Menschen täglich erhöhen. Doch die Befürchtung wächst zugleich, dass die erhoffte Rückkehr der Geimpften in ein normales Leben trügerisch ist. „Es gibt bislang keine Daten, die belegen, dass Menschen, die bereits geimpft sind, nicht trotzdem infektiös sein können, obwohl sie keine Krankheitssymptome haben“, warnt der FDP-Gesundheitsexperte und Infektiologe Andrew Ullmann im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Ein normales Leben wird erst dann zu erreichen sein, wenn wir sicher sind, dass die vulnerablen Gruppen unter anderem durch Impfungen geschützt sind und das Gesundheitssystem nicht mehr an die Grenzen der Überforderung stößt“, sagt Ullmann voraus. Damit sind jedoch auch verfassungsrechtliche Bedenken verbunden. Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, verwies am Wochenende darauf, dass die Verfassung von Individual- und nicht von Kollektivgrundrechten ausgehe. „Wenn jemand geimpft ist, wird die Begründung zur Einschränkung von Grundrechten sehr viel schwieriger“, unterstrich Merz.

Dagegen geht die Unions-Gesundheitsexpertin Karin Maag davon aus, dass die Abstands-, Hygiene- und Alltagsmasken-Regeln mitsamt Lüften (AHA+L) noch viele Monate auch für bereits Geimpfte in Kraft bleiben müssen. „So lange nicht 60 bis 70 Prozent geimpft sind, wird es voraussichtlich bei der Maskenpflicht bleiben“, erklärte Maag. Parallel müsse die Forschung intensiviert werden, um klare Erkenntnisse zu gewinnen, welcher Impfstoff welche Bevölkerungsgruppe am besten schützt und ob er die Gefahren durch Geimpfte auch für die noch nicht Geimpften verringert. Davon abhängig müsse die Impfstrategie auch ständig angepasst werden.

Maag hofft, dass die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen so gut in Gang kommt, dass bereits im zweiten Quartal zu Regelimpfungen über Apotheken und Hausärzte übergegangen werden kann. In den zurückliegenden Monaten hätten auch 20 Millionen Dosen an Grippeschutzimpfungen zur Verfügung gestanden, ohne dass es zu größeren Engpässen gekommen sei.

Für Ullmann bleibt es vorerst dabei, dass auch nach Beginn der Impfkampagne die bisherigen Hygiene-Regeln von allen eingehalten werden müssen. „Es ist im Alltag einfach unmöglich zu kontrollieren, wer eine Maske tragen muss und wer nicht. Eine Ausnahmeregelung würde zu Chaos und Super-Spreading-Events mit fatalen Konsequenzen für vulnerable Personen führen“, erklärte der FDP-Politiker. „Grundsätzlich sollten wir darüber nachdenken, ob die AHA+L-Regeln nicht dauerhaft in der Grippesaison gelten sollen“, regte Ullmann an. Damit schütze man nicht nur sich, sondern auch seine Nächsten vor Infektionskrankheiten.