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Corona-Lockerungen: Kommunen warnen vor Übermut an Pfingsten

Corona-Lockerungen : Kommunen warnen vor Übermut an Pfingsten

Viele Menschen freuen sich auf Lockerungen der Corona-Auflagen zu Pfingsten. Doch der Städtetag mahnt vor dem Pfingstwochenende zur Vorsicht bei ersten Urlaubsreisen. Die Ärztekritik an der Aussetzung der Impfpriorisierung wird schärfer.

Die Kommunen warnen die Bürger vor dem Pfingstwochenende angesichts der Öffnungsschritte für Touristen und in der Gastronomie in mehreren Bundesländern vor zu viel Übermut. „An Pfingsten sieht die Welt wieder freundlicher aus als an Ostern. Viele Menschen freuen sich darauf, dass wieder mehr Aktivitäten möglich werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Helmut Dedy, unserer Redaktion. „Die aktuellen Lockerungen sind allerdings Lockerungen auf Bewährung. Obwohl die Inzidenz-Zahlen weiter sinken und die Zahl der Geimpften zunimmt, ist die Pandemie nicht besiegt“, warnte Dedy. „Vorsicht bleibt angesagt, damit wir die neu gewonnenen Freiheiten nicht riskieren. Dazu gehört, dass wir alle weiter auf die Regeln achten und Risiken minimieren“, sagte Dedy. „Und dazu gehört, dass das Risiko von Mutationen wie der indischen Variante beobachtet werden muss. Es darf nicht passieren, dass wir in eine vierte Infektionswelle hinein rutschen“, warnte Dedy.

Mehrere Bundesländer haben Hotels, Pensionen und Gastronomie angesichts niedriger Inzidenzwerte bereits wieder geöffnet oder planen dies ab dem Pfingstwochenende. So hat etwa Schleswig-Holstein schon ab Montag den Tourismus im ganzen Land wieder zugelassen, allerdings unter der Auflage frischer Corona-Tests. Auch Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg lassen in Gebieten mit stabilen Inzidenzwerten unter 100 wieder auswärtige Touristen zu. Der ADAC warnt bereits vor einer Reisewelle am Pfingstwochenende mit deutlich mehr Staus als in den Vorwochen.

Unterdessen reißt die Kritik der Ärzte an der Aufgabe der Impfpriorisierung in mehreren Bundesländern nicht ab. Bundesweit soll sie laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vom 7. Juni an nicht mehr gelten. Am selben Tag sollen auch die Betriebsärzte in den Unternehmen mit Impfungen ihrer Beschäftigten starten.

„Wir haben immer gefordert, die Impfpriorisierung dann aufzugeben, wenn es genügend Impfstoff für die Praxen gibt. Das ist im Moment aber noch nicht der Fall", sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt unserer Redaktion. „Einige Bundesländer haben die Impfreihenfolge dennoch freigegeben. Und so werden viele niedergelassene Kolleginnen und Kollegen förmlich überrannt. Wenn dann nicht alle Impfwilligen unmittelbar zum Zuge kommen, führt das natürlich zu Frust, der leider auch beim Praxispersonal abgeladen wird“, kritisierte Reinhardt. „Das geht so nicht. Das ist belastend und behindert den Praxisbetrieb enorm", erklärte der Präsident der Bundesärztekammer. „Dass der Bundesgesundheitsminister den 7. Juni als Stichtag für die bundesweite Aufgabe der Impfreihenfolge nennt, ist gut und richtig, wenn dann bitte auch die entsprechenden Liefermengen zur Verfügung stehen. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte tun, was sie können. Aber sie brauchen an dieser Stelle auch die Unterstützung der Politik“, forderte Reinhardt.

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Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Martin Scherer, kritisierte die Aussetzung der Impfreihenfolge. Damit habe Gesundheitsminister Spahn die Hausärzte unnötig unter Druck gesetzt, sagte der Verbandschef dem „Spiegel“. „Einem Politiker muss klar sein: Wenn ich sage, 'die Priorisierung ist aufgehoben', erzeuge ich damit einen riesigen Run.“ Durch solche Ankündigungen würden Erwartungen geweckt, die nicht immer einzuhalten seien. „Das macht den Hausärztinnen und Hausärzten das Leben schwer.“