„Runder Tisch“ in Berlin Lauterbach sieht verbesserte Versorgung von Long Covid-Patienten

Berlin · Die Versorgungslage für Long Covid-Patienten hat sich nach Angaben einer Expertengruppe verbessert. Eine Heilung gibt es aber weiterhin nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den weiteren Erkenntnissen.

 Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, spricht nach einem Treffen des Runden Tischs des Bundesgesundheitsministeriums zu Long Covid.

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, spricht nach einem Treffen des Runden Tischs des Bundesgesundheitsministeriums zu Long Covid.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat am Dienstag gemeinsam mit Professorin Carmen Scheibenbogen, Leiterin der Immundefekt-Ambulanz an der Charité, und Karin Maag, Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss, die Ergebnisse einer weiteren Expertenrunde zum Umgang mit Long Covid vorgestellt. Der „Runde Tisch Long Covid“ fand zum dritten Mal statt. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Erkenntnisse hat der Runde Tisch geliefert?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht spürbare Fortschritte bei Hilfsangeboten für Menschen mit langwierigen Beeinträchtigungen nach Corona-Infektionen. Langsam baue sich ein flächendeckendes Netz von Expertinnen und Experten auf, das die Versorgung verbessere, sagte der SPD-Politiker. Dies sei „wirklich ein Wendepunkt“. Zugleich liefen Ausschreibungen zur Forschungsförderung. Lindernde Medikamente sollen künftig leichter außerhalb der eigentlichen Zulassung einsetzbar sein. Zentral ist sicherlich auch, dass die vorgeschlagene Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) akzeptiert wurde.

Über was wurde noch gesprochen?

Neben den Fortschritten bei der Versorgung von Long Covid-Erkrankten ging es beim ersten Zusammenkommen in diesem Jahr auch um konkrete Fördermöglichkeiten des Bundesgesundheitsministeriums für eine versorgungsnahe Forschung. Außerdem besprach man die neue Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur medizinischen Behandlung von Long Covid-Patienten.

Was hat es mit der G-BA-Richtlinie auf sich?

„Die Idee ist, dass die Odyssee für Patientinnen und Patienten, bis sie den richten Arzt haben, verkürzt wird“, erklärte Karin Maag. Es soll demnach einen Ansprechpartner für die Patienten geben, in der Regel wahrscheinlich der Hausarzt. Der soll die gesamte Behandlung der Erkranken überblicken und koordinieren. Also auch etwa den Rat von Fachärzten hinzuziehen, falls nötig. „Wir haben sehr deutlich adressiert, was vom Behandler zu tun ist“, so Maag.

Warum ist das Thema so wichtig?

„Long Covid ist eine Krankheit, die nach wie vor unterschätzt wird“, sagte Minister Lauterbach. Auch Personen, die sich jetzt noch mit dem Coronavirus infizierten, hätten weiterhin das Risiko an Long Covid zu erkranken. „Long Covid geht nicht weg“, so Lauterbach, und mit jeder neuen Infektionswelle bestehe das Risiko neuer Erkrankungen. Es sei davon auszugehen, dass es in Deutschland eine halbe Million Betroffene gebe. Und diese Fälle seien nur die, die tatsächlich chronisch erkrankt sind und dadurch teils massive Beeinträchtigungen in ihrem Lebensalltag bewältigen müssen. Nachdem, was bisher bekannt ist, sei außerdem von einem höheren Risiko für andere Erkrankungen wie Diabetes oder - langfristiger - Demenz auszugehen, so Lauterbach.

Gibt es eine Heilung von Long Covid?

„Es ist leider so, dass wir bisher kein Medikament im Sinne einer Heilung haben“, betonte Lauterbach. Vielversprechende Medikamente hätten sich in Studien als nicht so wirksam herausgestellt wie gehofft. Manche Symptome, besonders bei Schwersterkrankten, können aber mit vorhandenen Arzneien zumindest behandelt werden.

(mit dpa)
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