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Corona-Krise: Die Helfer des Deutschen Roten Kreuzes

Die Helfer der Corona-Krise : „Wir müssen den Rettern größte Aufmerksamkeit widmen“

Die Mitarbeiter des Deutschen-Roten-Kreuzes (DRK) sind in der Corona-Pandemie im Dauereinsatz. DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt über die Motivation der Pflegekräfte, das Blutspenden und ihre eigene Covid-19-Erkrankung.

Frau Hasselfeldt, noch stehen wir mitten in der Pandemie – wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, noch länger durchzuhalten?

Hasselfeldt Die seit bald einem Jahr andauernde Pandemie ist eine große Herausforderung für alle. Trotzdem sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach wie vor hoch motiviert. Es gehört zum Selbstverständnis der Rotkreuzler, Menschen, die in Not sind, zu helfen. Ich habe noch selten so viel Engagement und Einsatzfreude erlebt. Es ist die Rotkreuz-Gemeinschaft, die Kraft gibt und das befriedigende Gefühl, etwas Gutes zu tun, das Sinn macht.

Fühlt sich der Rettungsdienst vernachlässigt?

Hasselfeldt In der Tat ist der Rettungsdienst gerade in diesen Zeiten stark gefordert. Zu der zusätzlichen physischen Belastung kommt die erhöhte Gefahr einer Infektion. Nicht zu unterschätzen ist zudem die psychische Mehrbelastung. Wir tun gut daran, den Mitarbeitern im Rettungs- und Pflegedienst auch nach der Pandemie größere Aufmerksamkeit zu widmen.

Wie ist die Stimmung bei den Helfern? Ist die Atmosphäre gereizter geworden?

Hasselfeldt Trotz hoher Belastung ist die Motivation nach wie vor groß, wofür ich sehr dankbar bin. Dabei ist für die Helferinnen und Helfer auch die Gemeinschaft sehr wichtig.

Wie steht es um die Bereitschaft zum Blutspenden?

Hasselfeldt Blutspenden im Lockdown ist möglich und vor allem notwendig. Es besteht keine Gefahr einer Infektion. Wir brauchen ein kontinuierliches Engagement beim Blutspenden, denn die Spenden sind nicht unbegrenzt haltbar. Deshalb danke ich allen Beteiligten, den Spendern sowie den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, herzlich. Sie haben es möglich gemacht, dass der große Kraftakt einer lückenlosen Versorgung in diesem herausfordernden Jahr gelingen konnte – und das ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Auch über die weiterhin andauernde Krise hinaus sind Menschen an 365 Tagen rund um die Uhr auf überlebenswichtige Blutpräparate angewiesen.Bundesweit werden durchschnittlich 15.000 Blutkonserven am Tag benötigt.

Hat die Hilfsbereitschaft der Deutschen in der Pandemie zu oder abgenommen?

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Hasselfeldt Trotz all der enormen Herausforderungen, die dieses Jahr mit sich gebracht hat, ist es gleichzeitig überwältigend und in vielen vermeintlich kleinen Momenten sehr bewegend, wie groß und anhaltend die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist. Das erlebe ich zu hundert Prozent im Deutschen Roten Kreuz, aber auch überall sonst – als DRK-Präsidentin wie auch in meinem privaten Umfeld.

Merken Sie das am Spendenaufkommen?

Hasselfeldt Auch die Spendenbereitschaft hat sich deutlich erhöht. Wir werden voraussichtlich ein Spendenaufkommen von rund 50 Millionen Euro verzeichnen können. 2019 waren es etwas über 30 Millionen Euro. Das ist ein beachtlicher Sprung und zeigt, dass viele Menschen anderen helfen wollen. Die meisten Spenden gingen für den Corona-Nothilfefonds ein. Das waren nicht nur viele Privatspenden, sondern auch zahlreiche kleinere und größere Unternehmensspenden. Allerdings ist der Bedarf auch sehr groß – in Deutschland wie im Ausland.

Geraten internationale Krisen aus dem Fokus?

Hasselfeldt Ja, leider ist das in der Öffentlichkeit auch ein Effekt der Pandemie. Für das Deutsche Rote Kreuz geraten sie natürlich nicht aus dem Fokus, wenngleich unsere Einsätze in über 40 Ländern in Zeiten einer globalen Pandemie umso herausfordernder sind. In Ländern wie dem Jemen, Syrien, Somalia oder Honduras kommt Corona zu vielen anderen gravierenden Belastungen und Gefahren hinzu, denen die Menschen ohnehin bereits ausgesetzt waren. Dazu zählen bewaffnete Konflikte, Wirtschaftskrisen, Hunger und Naturkatastrophen. Deshalb werben wir auch weiterhin dafür, diese Realitäten nicht aus dem Blick zu verlieren.

Haben Sie persönlich Covid-19 ganz überwunden?

Hasselfeldt Ja, ich spüre keine Beeinträchtigungen mehr. Dafür bin ich dankbar, denn das ist – wie wir von vielen anderen Fällen wissen – keineswegs selbstverständlich.

(mün)