1. Politik
  2. Deutschland

Corona in Deutschland: Jens Spahn erwartet „harte Wochen“ – Impfgipfel am Montag

Corona in Deutschland : Spahn erwartet „harte Wochen“ – Impfgipfel am Montag

Erstmals seit Oktober liegt die Inzidenz unter 100. Gesundheitsminister Spahn schwört die Menschen angesichts des knappen Impfstoffs dennoch auf harte Wochen ein. Am Montag treffen sich Bund und Länder zum Impfgipfel.

Trotz Rückgangs der Corona-Infektionszahlen in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Menschen in Deutschland auf weitere harte Wochen angesichts des knappen Corona-Impfstoffs eingestimmt. Ein Bund-Länder-Treffen zur Lage und zum Vorgehen beim Thema Impfen ist nun für kommenden Montag geplant. „Die Bundeskanzlerin und die Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz haben sich darauf verständigt, am 1. Februar um 14.00 Uhr zu einem Impfgespräch zusammenzukommen“, teilte ein Regierungssprecher am Donnerstag mit.

Weil es bei den Impfstofflieferungen seit Wochen ruckelt und Hersteller wiederholt geringere Mengen in Aussicht stellten, als zunächst geplant, hatten mehrere SPD-Politiker einen Impfgipfel gefordert. Auch Spahn hatte sich am Donnerstag offen dafür gezeigt. „Denn wir gehen bei der Knappheit des Impfstoffes noch durch mindestens zehn harte Wochen“, teilte der Gesundheitsminister mit. „Die sollten wir mit gemeinsamem Arbeiten in der Sache verbringen.“ In zehn Wochen, also im April, ist Ostern.

An der Videokonferenz am Montag sollen neben weiteren Mitgliedern der Bundesregierung und den Spitzen der Länder auch Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der betreffenden Verbände teilnehmen.

Die Menschen in Deutschland können nach Expertenansicht allerdings auch durch einen solchen Gipfel nicht rasch auf mehr Impfungen hoffen. „Die Kapazitäten können nicht binnen zwei oder drei Monaten über den bisherigen Plan vergrößert werden“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Die Massenimpfungen gelten als Schlüssel, um das Virus zurückzudrängen. Derzeit zielt viel Kritik an Spahn darauf, dass zu langsam geimpft werden könne.

Spahn hofft indessen auf den Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca, der voraussichtlich am Freitag in der EU zugelassen werden soll. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung - allerdings mit Einschränkungen. Aufgrund von derzeit verfügbaren Daten werde dieser Impfstoff nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen, hieß es im Gesundheitsministerium.

  • Ampullen mit dem Corona-Impfstoff des Herstellers
    Impfstoff-Lieferung : Was Astrazeneca zu den Vorwürfen der EU sagt
  • Eine Mitarbeiterin eines Impfzentrums zieht mit
    Fragen und Antworten : Was die Impfstoff-Engpässe für Deutschland bedeuten
  • NRW-Gesundheitsminister Laumann hält Impfungen in Schwerpunktpraxen
    Impfstrategie : NRW will in ausgewählten Praxen impfen

Viele Deutsche dürften Hoffnung bei der Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen schöpfen: Erstmals seit Ende Oktober lag die sogenannte 7-Tage-Inzidenz laut Zahlen des Robert Koch-Instituts am Donnerstag unter der Schwelle von 100. So wurden in Deutschland binnen einer Woche 98 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner an die Gesundheitsämter übermittelt, wie das RKI meldete. Damit hat sich die Zahl der innerhalb von 7 Tagen gemeldeten Neuinfektionen seit dem Höchststand am 22. Dezember (197,6) in etwa halbiert. Eine 7-Tage-Inzidenz von 50 gilt als die Schwelle, unterhalb derer die Gesundheitsämter die Lage durch Kontaktnachverfolgung unter Kontrolle halten können.

Zugleich stieg eine andere wichtige Zahl für die Politik: Ein großer Teil der Deutschen steht weiter hinter den Maßnahmen der Bundesregierung. Die bis Mitte Februar verlängerten und weiter verschärften Corona-Regeln werden von einer Mehrheit von 56 Prozent als richtig angesehen, ergab das am Donnerstag veröffentlichte ZDF-„Politbarometer“. Das Umfrageergebnis entspreche einem Zuwachs der Zustimmung von fünf Prozentpunkten im Vergleich zu Mitte Januar. Unverändert 28 Prozent der Befragten plädierten für eine weitere Verschärfung, 14 Prozent hielten die Maßnahmen für übertrieben.

(csi/dpa)