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Corona: Bundespräsident Steinmeier spricht mit Bürgern

„Bürgerlage“ mit Frank-Walter Steinmeier : „Ich hoffe, wir können bald wieder in die Schule“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht mit Bürgern aus vielen Teilen der Gesellschaft über ihr Leben in der Corona-Krise. Viele äußern große Sorgen - aber auch Mut, diese Krise zu meistern und durchzustehen.

Kann man eine Schule aus dem Homeoffice heraus leiten? Für eine Paderborner Schulleiterin stellte sich diese Frage nicht in nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis.

Maxi Brautmeier-Ulrich erkrankte allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz rund um Weihnachten an Covid -19. Es war genau die Zeit, in der sie  ihre Grundschule auf den Digitalunterricht nach den Ferien umstellen musste. Wie das geht? Mit einem flexiblen Lehrerkollegium und einer Konrektorin, die vor Ort Dinge in die Hand nimmt. „Ich bin froh und dankbar, alles heil überstanden zu haben“, sagt Brautmeier-Ulrich. Dankbar sei sie für die große Hilfsbereitschaft, im privaten, aber auch im beruflichen Umfeld. Sie hat seit Weihnachten keinen Schritt mehr vor die Tür gesetzt.

Die Schulleiterin ist eine der Teilnehmerinnen der „Bürgerlage“ von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In den virtuellen Gesprächen geht es Steinmeier darum, direkt  und über einen längeren Zeitraum zu hören, wo seine Gesprächspartner in der Pandemie Herausforderungen und Probleme sehen und welche Erfolge aus ihrer Sicht zu verzeichnen sind. Das erste Gespräch fand Mitte Dezember statt.

Seitdem hat sich für die Beteiligten nicht viel zum Guten entwickelt. Eine Hotelbesitzerin aus Freyung in Bayern ist den Tränen nahe, als sie dem Präsidenten die Lage ihres Familienhotels beschreibt. Die Unterstützung des Staates käme nur schleppend und würde kaum über die Runden helfen. Was sie dringend vermisst, ist eine Öffnungsperspektive. „Hotels und Gastronomie sind nicht das Problem - wir würden an allen Ideen mitarbeiten und Auflagen erfüllen. Aber wir brauchen eine Perspektive.“

Steinmeier hört zu, nimmt auf, versucht zu trösten. Der Präsident hat  die psychischen und emotionalen Auswirkungen der Krise zu seinem Thema gemacht. Er will Sorgen anhören und sie damit ein wenig lindern.

Die Pandemie stelle alle auf die Probe: „Das Unangenehme ist: Wir wissen noch nicht genau, wie lang der Weg im Tunnel noch sein wird, bis wir endlich hinauskommen“, sagt  der Bundespräsident. Und er mahnt: Derzeit könnten „einige wenige Ignoranten“ und Menschen, die sich nicht an die Regeln halten, „manches gefährden“. Die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie könnten deshalb länger andauern müssen, als sich dies alle wünschten.

Norbert Vos aus Stadtlohn in NRW hofft, dass im Sommer seine Jugendfreizeiten, die er leitet,  wieder möglich sind. „Sonst wird es sehr schwer“, sagt er nachdenklich. „Das zweite Jahr in Folge alles abzusagen“ - er will es sich nicht ausmalen.

Positive Botschaften kommen aus einem Bremer Pflegeheim. Die Leiterin Gaby Weber berichtete, dass sich die Lage seit Dezember etwas entspannt habe, die Mehrzahl der Bewohner habe bereits die erste Impfung hinter sich, die Impfbereitschaft unter den Senioren sei sehr hoch.  

Stanislaw Majewski kommt aus Berlin und sucht dort einen Job. Ursprünglich hatte er an die Gastronomie gedacht, diesen Plan muss er aufgeben, das Angebot ist gerade einfach nicht vorhanden. Er wollte zunächst seinen Führerschein machen, um seine Qualifikation zu erweitern - auch das geht gerade nicht. Dennoch: Er hat Verständnis für die Maßnahmen, will vor allem nicht mit dem Virus infiziert werden.

Was die Pandemie mit der Seelenlage von Kindern macht, zeigen Bilder, die eine Mitarbeiterin des Hilfsangebots „Kinder-Tafel“ aus Zerbst in Sachsen-Anhalt in die Kamera hält. Kinder haben ihre Corona-Eindrücke aufgemalt und aufgeschrieben: „Corona muss weg“ heißt es da, und „ich hoffe, wir können bald wieder in die Schule.“ Aber es ist auch zu lesen: „Mir geht es nicht gut“. Die Kinder vermissten das Freizeitangebot sehr, erzählt Birgit Brandtscheit. Und, je nach Familiensituation, würden einige Kinder mit Blick auf das Homeschooling einfach durchs Raster fallen, sagt sie weiter. Es gebe „sehr viel Überforderung in den Familien“.

Die Paderborner Schulleiterin berichtet ebenfalls von Defiziten, besonders im Sozialverhalten von Kindern, die über Wochen ihre Mitschüler nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ob sie das ganze Schuljahr verloren geben würde, fragt das Staatsoberhaupt. Brautmeier-Ulrich überlegt: „Nein“, sagt sie dann. „Kinder lernen immer. Und sie lernen gerade, mit dieser Situation umzugehen.“ Dafür schafften Schulen Angebote. Eine verlorene „Generation Corona“ - sie will an ihrer Schule dafür kämpfen, dass es diese nicht geben wird. Auch wenn sie das zur Zeit nur aus dem Home Office tun kann.

(mün)