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Christine Haderthauer tritt wegen Modellauto-Affäre zurück

Modellauto-Affäre : Bayerns Staatskanzleichefin Haderthauer tritt zurück

Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer hat wegen der sogenannten Modellbau-Affäre ihren Rücktritt erklärt. Das gab die CSU-Politikerin am Montagabend bei einem kurzfristig anberaumten Pressetermin in München bekannt.

Haderthauer steht seit längerem wegen der Affäre in der Kritik. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die CSU-Politikerin wegen Betrugsverdachts. Hintergrund: Die Firma Sapor Modelltechnik von Haderthauer und ihrem Mann Hubert verkaufte Mini-Modellautos, die von Straftätern in der Psychiatrie hergestellt wurden.

Haderthauers Ehemann hatte als Arzt im Bezirksklinikum Ansbach in der geschlossenen Abteilung einen Dreifachmörder kennengelernt, unter dessen Anleitung die Autos später entstanden. Haderthauer schied Ende 2003 aus der Firma aus und übertrug ihrem Mann ihren Anteil.

Die Staatsanwälte prüfen, ob später Gewinne zu niedrig angegeben wurden. Ein ehemaliger Geschäftspartner fühlt sich um mehr als 30.000 Euro geprellt. Es besteht zudem der Verdacht, dass die Ministerin nach 2003 weiter in die Firma involviert war.

Die Opposition wirft Haderthauer vor, sie habe sich durch die Arbeit eines Straftäters bereichert und den Landtag mit ihren Darstellungen hinters Licht geführt. Auf besondere Empörung stieß Haderthauers Versuch, ihr Vorgehen als eine Art wohltätiges Werk darzustellen.

Seehofer hatte wiederholt Haderthauers Krisenmanagement in Zusammenhang mit ihrem Engagement bei dem Modellautohersteller kritisiert, sich aber ansonsten hinter seine Ministerin gestellt.

Die Landtags-Opposition hatte Seehofer mit einem gemeinsamen Antrag aufgefordert, seine Staatskanzleichefin zu entlassen. Für den 16. September war auf Initiative von SPD, Freien Wählern und Grünen eine Sondersitzung des Parlaments zum Fall Haderthauer geplant.

Die Opposition aus SPD, Grünen und Freien Wählern hatte eigentlich für Mitte September eine Sondersitzung des bayerischen Landtags gefordert. Die bayerische SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen erklärte nach dem Rücktritt, Haderthauer sei "über ihre Arroganz und Überheblichkeit gestolpert". Wer staatsanwaltliche Ermittlungen als "Sommertheater" oder "Skandalhysterie" bezeichne, eigne sich nicht für ein Ministeramt. Es gehöre sich zudem nicht, "einen verurteilten Straftäter zu benutzen, um sich persönlich zu bereichern", so Kohnen.

Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause erklärte, der Rücktritt sei "absehbar, unvermeidlich und überfällig" gewesen. Ihre Partei halte dennoch an einer Sondersitzung und einem Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Affäre fest.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Fall Christine Haderthauer - eine Chronologie

(dpa)