Chemnitz: Verletzte bei neuen Ausschreitungen - Polizei im Einsatz

Kundgebung von Rechten: Verletzte bei neuen Ausschreitungen in Chemnitz

In Chemnitz bleibt die Lage angespannt. Rechte Demonstranten gehen erneut auf die Straße, es gibt Gegenproteste und Ausschreitungen. Mehrere Menschen werden verletzt. Die Polizei räumt Personalmangel ein.

Bei neuen Protesten rechter und linker Demonstranten in Chemnitz hat es am Montagabend Ausschreitungen gegeben. Durch Würfe von Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen seien mehrere Menschen verletzt worden, teilte die Polizei Chemnitz auf Twitter mit. Bei der Kundgebung der Gruppe "Pro Chemnitz" habe es Hinweise auf Hitlergrüße gegeben. Zudem habe ein Bündnis "Chemnitz nazifrei" eine Kundgebung angemeldet. Vereinzelt seien Teilnehmer der verschiedenen Versammlungen aneinandergeraten. Am Abend seien beide Kundgebungen beendet worden, die Lage habe sich beruhigt.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit zahlreichen Kräften im Einsatz, um Zusammenstöße zwischen beiden Gruppen zu verhindern. Nach Ende der beiden Demonstrationen räumte ein Polizeisprecher aber einen Personalmangel in den eigenen Reihen ein. Man habe mit einigen Hundert Teilnehmern gerechnet und sich entsprechend vorbereitet, jedoch nicht eine solche Teilnehmerzahl erwartet, sagte er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Der Einsatz verlief nicht störungsfrei.“ In der Nacht sei es ruhig geblieben, sagte ein Sprecher am Dienstagmorgen. Zur Teilnehmerzahl wollte sich die Polizei zunächst nicht äußern. Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur dpa beteiligten sich mehr als 2000 Rechte an der Kundgebung und mehr als 1000 Menschen protestierten dagegen.

Erneut Ausschreitungen bei Protesten in Chemnitz

Anlass der Proteste war ein tödlicher Streit am Wochenende am Rande des Stadtfestes in Chemnitz. Ein 35 Jahre alter Deutscher wurde durch Messerstiche getötet. Gegen einen 23 alten Syrer und einen 22 Jahre alten Mann aus dem Irak wurde Haftbefehl erlassen. Am Sonntag zogen daraufhin rund 800 Menschen durch die Innenstadt. Dazu aufgerufen hatte unter anderem eine rechtsextreme Hooligangruppe. Polizeibeamte wurden mit Flaschen und Steinen angegriffen. Während der Versammlung soll auch Jagd auf Ausländer gemacht worden sein.

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Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka warnte vor der Gefahr inszenierter bürgerkriegsähnlicher Zustände. „Es gibt in unserem Land einen kleinen rechten Mob, der jeden Anlass zum Vorwand nimmt und nehmen wird, seine Gewaltfantasien von bürgerkriegsähnlichen Zuständen auf unsere Straßen zu tragen“, sagte Lischka unserer Redaktion. Dass im Bundestag eine Partei diese Exzesse gegen ausländische Mitbürger als gerechtfertigte Selbstjustiz beklatsche, zeige, „dass die Mehrheit unseres Landes noch viel lauter werden muss, wenn es um Rechtsstaat, Demokratie und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geht“.

Die Bundesregierung kritisierte, "Zusammenrottungen" und "Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens" seien nicht hinnehmbar. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte die Gewaltaufrufe von Rechtsextremen in sozialen Netzwerken "widerlich". Der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) sprach nach den rechten Ausschreitungen nach dem Tötungsdelikt von einer "neuen Dimension der Eskalation".Österreichs konservativer Bundeskanzler Sebastian Kurz, der mit der rechtspopulistischen FPÖ regiert, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Ich bin erschrocken über die neo-nazistischen Ausschreitungen in Chemnitz. Vorfälle wie diese sind auf das Schärfste zu verurteilen!"

Sachsens Generalstaatsanwalt Hans Strobl hat die Ermittlungen zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Chemnitz übernommen. Die vor zwei Jahren eingerichtete Sondereinheit Zentralstelle Extremismus Sachsen (ZESA) werde die weiteren Ermittlungen führen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mit.

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(hebu/sbl/wer/rtr/dpaAFP)
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